Die Legende vom Schloss Chenonceau
Nackte Haut. Eisiges Wasser. Ewigkeit. Diane de Poitiers war ein Phänomen, das den Hof von Frankreich in Atem hielt. Während andere Frauen ihres Alters hinter dicken Puder- und Stoffschichten alterten, schien die Zeit an ihr abzuperlen. Die Legende besagt, dass sie einen Pakt mit dem Fluss geschlossen hatte. Jeden Morgen, wenn der erste Nebel über dem Cher aufstieg, verließ sie ihre prunkvollen Gemächer, um nackt in die kalten, schwarzen Fluten zu tauchen. Die Einheimischen flüsterten, das Wasser des Cher sei an dieser Stelle mit flüssigem Silber versetzt, das Diane ihre marmorne Haut und unendliche Jugend schenkte.
Doch die Schönheit war geliehener Stolz. Als König Heinrich II. starb, schlug die Stunde der Rache für seine Witwe, Katharina von Medici. Sie vertrieb Diane sofort aus Chenonceau und besetzte ihr Schlafzimmer. Getrieben von Neid und ihrer Leidenschaft für die dunklen Künste, verbrachte Katharina Nächte vor Dianes Spiegel. Sie suchte nach dem Zauber, der die Mätresse schöner gemacht hatte als die Königin.
Doch der Spiegel gab ihr nichts preis als ihr eigenes, von Bitterkeit gezeichnetes Gesicht. Man erzählt sich, dass man heute noch, wenn der Wind durch die Galerie pfeift, das Platschen von Wasser unter den Brückenbögen hört. Wer genau hinsieht, erblickt den Schatten einer Frau, die im Fluss untertaucht, während im Fenster darüber eine dunkle Gestalt am Spiegel verzweifelt. Die Rivalität von Chenonceau endet nie; sie ist im Stein und im Wasser des Schlosses gefangen, ein ewiger Kampf zwischen natürlicher Anmut und dunkler Besessenheit.







































