HOME

Das steinerne Gebet von Pommeraye in Nantes

Das steinerne Gebet von Pommeraye in Nantes

Staub atmet. Stein wird Fleisch. Wenn die schweren Gusseisentore der Passage Pommeraye ins Schloss fallen und das Echo der letzten Kunden in den drei Stockwerken verhallt, beginnt die Architektur zu flüstern. Im fahlen Mondlicht, das durch das gewaltige Glasdach auf die monumentale Holztreppe fällt, geschieht das Unfassbare: Die starren Augen der steinernen Musen beginnen zu glänzen.

Louis Pommeraye, der Erbauer, gab alles für diesen Ort – sein Gold, seinen Ruf und schließlich sein Leben. Er starb im Ruin, doch sein Versprechen, die schönste Galerie Frankreichs niemals dem Verfall preiszugeben, überdauerte das Grab. Die Legende besagt, dass sein fanatischer Wille in die Statuen gefahren ist, die die Treppenaufgänge säumen.

Handwerker, die mit der mühsamen Restaurierung der filigranen Holzschnitzereien beauftragt waren, berichten mit bleichen Gesichtern von Wundern. Sie ließen am Abend stumpfes Werkzeug und halbfertige Simse zurück, nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass die Arbeit in übermenschlicher Präzision vollendet war. Die Meißel lagen perfekt ausgerichtet da, als hätten unsichtbare Hände die ganze Nacht im Verborgenen gewirkt.

Man hört nachts kein Hämmern, nur ein feines, rhythmisches Schaben, wie Stein auf Stein. Wer es wagt, durch die Ritzen der Läden zu spähen, meint zu sehen, wie sich die schweren Schwingen der steinernen Engel sacht bewegen, um den Staub von den Geländern zu fegen. Die Passage Pommeraye ist kein bloßes Einkaufszentrum; sie ist ein lebender Organismus. Solange die Statuen nachts ihre Posten verlassen, um zu reparieren, was die Zeit zerstört, wird Pommerayes Traum niemals sterben. Wer hier wandelt, tritt nicht nur auf Holz, sondern auf den Herzschlag eines Mannes, der den Stein lebendig machte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du hast noch Tipps für Wohnmobil, Camper, Vanlifer oder sehenswerte Orte in dieser Region? Oder vielleicht eigene Erlebnisse dazu? Dann schreib sie gerne hier in die Kommentare! 

Accessibility Toolbar