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Die Legende vom Prinz-Karl-Sprung in Zabern

Prinz Karl Sprung in Zabern

Die Legende vom Prinz-Park-Sprung in Zabern Die Vogesen lagen in einem sanften, dunstigen Blau vor mir, als ich meine „Furgoneta“ auf der Passhöhe kurz vor Zabern zum Stehen brachte. Die Serpentinen hatten dem alten Postauto einiges abverlangt, und auch ich brauchte einen Moment, um den Blick schweifen zu lassen. Direkt am Straßenrand markierte ein weiß-roter Balken den Beginn eines Wanderwegs, der tief in den dichten Mischwald führte. Es war der GR 53, jener legendäre Pfad, der die Kämme der Nordvogesen verbindet. Ich war erst wenige Minuten unterwegs, den Duft von feuchtem Moos und würzigem Nadelholz in der Nase, als der Wald plötzlich zurückwich. Ohne Vorwarnung riss der Boden vor mir auf. Ich stoppte abrupt, nur eine Handbreit vor einer schwindelerregenden Kante aus rosa Sandstein. Mein Herz hämmerte gegen die Rippen. „Verdammt“, murmelte ich leise vor mich hin, „gut, dass hier diese Kette gespannt ist. Der Abgrund kommt ja wirklich aus dem Nichts!“ Ich streckte die Hand aus und umfasste das kalte, schwere Eisen der Absperrung, die zwischen zwei Pfosten über dem Abgrund hing. In diesem Moment geschah etwas Sonderbares. Ein feines Zittern ging durch das Metall, als würde ein elektrischer Impuls direkt in meine Handfläche fließen. „Man hat mich hierher gemacht, damit ihr achtsam seid“, erklang eine Stimme in meinem Kopf, die so rau und metallisch klang wie das Reiben von Kettengliedern auf Stein. „Aber ich war nicht immer hier. Früher gab es nur den nackten Fels, den Wind und den Tod. Und nicht jeder hatte so viel Glück wie damals dieser Karl.“ Ich hielt den Atem an, die Hand fest um das Eisen geschlossen. Die Kette begann zu erzählen, und während ihre Worte in mir widerhallten, verschwamm der moderne Wanderweg vor meinen Augen. „Ich bin nur Eisen“, begann die Kette, „geschmiedet, um zu warnen. Doch meine Glieder sind verbunden mit der Erinnerung dieses Berges. Der Sandstein hier vergisst nichts. Er erinnert sich an den Tag im Jahr 1744, als die Luft hier oben nicht nach Pinien roch, sondern nach Pulverdampf, Schweiß und purer, nackter Angst. Karl von Lothringen – ein Name, den ihr heute in Geschichtsbüchern lest – war damals kein Denkmal. Er war ein Gejagter. Die Franzosen hatten ihn in die Enge getrieben. Es war die Zeit der großen Kriege, in denen das Elsass und Lothringen wie Spielbälle zwischen den Mächten hin und her geworfen wurden. Karl war ein stolzer Mann, ein Feldherr, doch an jenem Nachmittag war er nichts weiter als ein Reiter, der um sein nacktes Leben rannte. Ich sehe es noch heute vor mir, wie er aus dem Dickicht dort drüben brach. Sein Pferd, ein gewaltiger Schimmel, war über und über mit Schaum bedeckt. Die Flanken des Tieres bebten, seine Nüstern waren weit aufgerissen und blutig rot vom verzweifelten Ringen nach Luft. Hinter ihm, kaum einen Steinwurf entfernt, hörte man das hasserfüllte Gebrüll der französischen Dragoner. Das Klirren ihrer Säbel und das Donnern der Hufe auf dem Waldboden klangen wie das nahende Ende der Welt. Karl jagte auf diesen Felsen zu, genau hierher, wo du jetzt stehst. Er wusste wohl nicht, dass der Weg hier endet. Er suchte einen Pfad hinab in das Tal von Zabern, eine Fluchtmöglichkeit in die schützende Tiefe. Doch als er die Bäume hinter sich ließ, gab es kein Vor und kein Zurück mehr. Er riss die Zügel so hart herum, dass der Schimmel auf die Hinterbeine stieg. Direkt vor ihm: der gähnende Abgrund. Zwölf Meter freier Fall auf den unerbittlichen Sandstein. Hinter ihm: der Wald, aus dem bereits die ersten blauen Uniformen blitzten. Die Dragoner verlangsamten ihr Tempo. Sie lachten. Sie wussten, dass sie ihn hatten. Ein Prinz von Lothringen als Gefangener – das wäre ein Triumph für den König von Frankreich gewesen. ‚Ergib dich, Karl!‘, schrie ihr Anführer, ein Mann mit einem vernarbten Gesicht, der seinen Säbel bereits triumphierend in die Höhe reckte. ‚Hinter dir ist der Tod, vor dir ist der Kerker. Wähle weise!‘ Karl sah über seine Schulter. Er sah die Gier in ihren Augen, die Kälte ihres Stahls. Dann sah er hinunter in die Tiefe. Dort unten, weit unter den schroffen Felskanten, lag Zabern im Dunst. Er wusste, dass ein Sturz aus dieser Höhe das Ende bedeutete. Kein Mensch, kein Tier konnte diesen Sprung überleben. Doch Karl war ein Mann, dessen Seele so fest war wie der Fels unter ihm. Er flüsterte seinem Pferd etwas ins Ohr – ein letztes Wort der Liebe, ein Versprechen für die Ewigkeit. Er betete nicht um sein Leben, er betete um die Freiheit. Und dann geschah das Unvorstellbare. Anstatt vom Pferd zu steigen und den Degen zu senken, gab Karl seinem Schimmel die Sporen. Es war ein einziger, verzweifelter Stoß. Das Tier bäumte sich ein letztes Mal auf, ein Schrei aus der Kehle der Kreatur mischte sich mit dem Wind, und dann… dann sprangen sie. Die Dragoner stürzten an die Kante, genau dorthin, wo ich heute hänge. Sie starrten hinunter, bereit, das Zerschmettern von Leibern auf dem Stein zu hören. Stille herrschte für einen Herzschlag, der sich wie eine Stunde anfühlte. Sogar der Wind schien den Atem anzuhalten. Man sagt, in diesem Moment habe der Himmel über den Vogesen kurz in einem seltsamen, goldenen Licht aufgeflackert. Der Schimmel segelte durch die Luft, die Beine weit von sich gestreckt, Karl fest im Sattel verankert, die Augen geschlossen, bereit für den Aufprall. Was dann geschah, widerspricht allen Gesetzen, die ihr Menschen kennt. Das Pferd schlug nicht wie ein Sack Fleisch auf dem harten Boden auf. Es war, als hätte die Luft selbst die Last getragen, als hätte der Stein des Elsass Mitleid mit seinem Prinzen. Das Tier landete mit einer Wucht, die Funken sprühen ließ, aber es brach nicht zusammen. Ein gewaltiger Schlag hallte durch das Tal, ein Geräusch wie das Bersten einer Welt. Die Hufe des Schimmels schlugen so hart auf den rosa Sandstein auf, dass sie sich tief in das Gestein brannten. Der Fels gab nach, als wäre er weiches Wachs. Die Dragoner oben am Abgrund bekreuzigten sich. Sie sahen, wie Karl von Lothringen unten im Tal den Kopf

Winterreise 25/26 (2)

Fortsetzung von Teil 1 der Reise Placencia 605. Tag im Wohnmobil.  In Placencia sind mir auch wieder „escaleras mecanicas“ aufgefallen. Rolltreppen, mit denen man innerorts größere Höhenunterschiede mühelos nehmen kann. Ich schreibe das Wort bewusst auf Spanisch, weil es sich in Orten, die an Bergen liegen, durchaus lohnt, das auch mal bei Google-Maps zu suchen. Zum Beispiel habe ich auch in Toledo oder bei Bilbao ganze Straßen mit „escaleras mecanicas“ gefunden. Der Aufstieg in eine Stadt, selbst mit Fahrrad, kann dann durchaus versüßt werden.  Cáceres – Von den Städten in der Extremadura hat mich Cáceres am meisten überrascht. Sie hat eine dichte Altstadt mit vielen netten Gassen und Winkeln, in denen man sich verlieren kann. Die Preise sind moderat, der Fremdenverkehr erdrückt nicht und man findet sich schnell zurecht.  Die Tragödie des Pedro und die Wohnmobil-Ritter von Feria Im Jahre 1534, als die Welt noch flach war und die Straßen noch keine Navigationssysteme kannten, lebte in einem kleinen, unscheinbaren Dorf in der Extremadura ein Mann, dessen Schönheit die Olivenbäume zum Erblühen brachte: Pedro. Pedro war so blendend gutaussehend, dass die örtliche Kirche eine Spendenaktion startete, um seine Wangenknochen zu konservieren. Zwei Damen verfielen ihm hoffnungslos: Catalina, die Bäckerin, bekannt für ihre Herzlichkeit, und Isabella, die Ziegenhirtin, berühmt für ihren cholerischen Charakter und ihre übernatürlichen Kenntnisse der Bergkräuter. Pedro, der sich lieber von frisch gebackenem Brot als von Ziegenkäse ernährte, entschied sich für Catalina. Isabella warf daraufhin einen Blick auf ihn, der kälter war als der Schnee der Sierra Nevada, und sprach einen Fluch aus, der bis heute in den bergigen Gassen widerhallt: „Du wirst niemals die Ruhe finden, Pedro! Du wirst dazu verdammt sein, in den Gassen der Pueblos Blancos zu spuken und dich an der Gier der modernen Reisenden zu rächen!“ Der Fluch im 21. Jahrhundert Der arme Pedro fand seine ewige Ruhe nie. Er existiert seither als eine Art gespenstischer, extrem gutaussehender Tourismus-Dschinn in den weißen Dörfern Andalusiens und der Extremadura. Sein Ziel: die größtmögliche Verkehrsanarchie stiften. Sein Fokus liegt dabei auf deutschen Wohnmobilfahrerinnen. Warum deutsche? Weil sie die besten, größten und am sorgfältigsten gewarteten Wohnmobile besitzen – Fahrzeuge, die garantiert in jeder spanischen Gasse stecken bleiben. Nachts, wenn Frau Steffi aus dem Harz ihr 7,5 Meter langes Reisemobil der Marke Karmann parkt, erscheint Pedro ihr in einem Traum. Mit seinem verführerischen Extremadura-Grübchen flüstert er ihr auf perfektem, melodischem Nordrhein-Westfälisch ins Ohr: „Steffi, mein Schatz. Die wirkliche authentische Tapas-Bar liegt nur hundert Meter weiter, gleich hinter dieser malerischen, 80 Zentimeter breiten Gasse. Vertrau mir, die Aussicht ist es wert.“ Am nächsten Morgen folgt Steffi, angetrieben von einer irrationalen Mischung aus Romantik und der Sehnsucht nach authentischer Tortilla, dem Ruf des schönen Geistes. Sie ignoriert das „No Pasar“-Schild, das die örtliche Polizei prophylaktisch angebracht hat, und biegt mit ihrem Karmann T4 in die steilste Gasse ein. Dort, zwischen der Wand eines Friseurladens und dem Sims eines Balkons, sitzt sie fest. Wieder eine vermisste Seele in den engen Gassen! Die Ankunft des Retters Glücklicherweise wacht über die Pueblos Blancos ein wahrer Held. Ein Nachfahre der alten Adelsfamilie der Grafen von Feria aus der Extremadura: Der edle Ritter Alfonso von Feria, seines Zeichens Betreiber des örtlichen Abschleppdienstes „La Grúa del Homenaje“ („Der Kran des Bergfrieds“). Sobald Alfonso den verzweifelten Anruf aus einer Funkloch-Gasse erhält, schwingt er sich auf seinen aufgemotzten, verchromten Abschleppwagen (Spitzname: El Conquistador) und eilt zur Rettung. Alfonso ist ein Mann der Tradition. Er weiß: Der Fluch von Pedro kann nur besiegt werden, indem er die Wohnmobil-Damen mit der größten Ehre belohnt, die die Sierra de Aracena zu bieten hat. Wenn er Steffi und ihren Karmann T4 befreit hat, akzeptiert er als einzige Belohnung: Drei Flaschen „San Miguel deste 1890“ (das edelste aller spanischen Biere). Denn nur der reine, goldene Gerstensaft, der seit der Gründung im Jahr 1890 gebraut wird, hat die Kraft, die Pein der verfluchten Seele des Pedro zu lindern. Und so spukt Pedro weiter, Steffi trinkt ihren Tinto de Verano und Alfonso von Feria sorgt für den Verkehrsfluss – ein ewiger Zyklus der Romantik, des Wahnsinns und des extrem kalten Bieres in den spanischen Bergen. SALUT! Kinder wie die Zeit vergeht! Und keine Zeit gehabt die Webseite zu führen. (werde ich nachholen) Der Winter war voller Ereignisse.  Derzeit bin ich wieder in Deutschland und friere!  Nos vemos!

Die Sichel des Teufels (La Faux du Diable)

Cirque de Navacelles

Die Sichel des Teufels (La Faux du Diable) – Cirque de Navacelles Die Cevennen sind ein Gebirge, das keine Eile verträgt. Jahrelang war ich hier nur durchgehastet, die Reifen meiner „Furgoneta“ fraßen den Asphalt der Serpentinen, während mein Blick fest auf den Süden gerichtet war – Spanien war das Ziel, die Pyrenäen die Hürde. Doch dieses Mal entschied ich mich anders. Ich wollte nicht nur durch die Landschaft gleiten, ich wollte in sie eintauchen. Ich wollte wissen, was sich hinter den schroffen Kalksteinwänden der Causses verbirgt, wenn man den Motor abstellt und die Wanderschuhe schnürt. Mein Weg führte mich tief hinunter in den gewaltigen Kessel von Navacelles. Ich stellte mein Auto unten im Tal ab, dort, wo die Vis wie ein glitzerndes Band durch das grüne Hufeisen fließt. Von dort aus nahm ich den steilen Pfad in Angriff, der sich mühsam die senkrechten Wände hinauf zur Kante windet. Es ist ein Weg, der einem den Atem raubt – nicht nur wegen der Steigung, sondern wegen der schieren Größe dieses geologischen Wunders, das sich unter einem entfaltet. Oben angekommen, am Aussichtspunkt beim Touristenzentrum, bot sich mir ein Panorama, das fast unwirklich erschien. Inmitten der Scharen von Touristen, die mit ihren Kameras und bunten Outdoorkleidern nach dem besten Motiv suchten, saß ein Mann auf einer Steinmauer. Er trug eine derbe Arbeitshose, ein verwaschenes Hemd und hatte Hände, die aussahen, als hätten sie den Kalkstein der Causses eigenhändig geformt. In diesem Moment wurde mir klar: Wir Touristen waren die Fremdkörper. Er war der Einzige, der wirklich hierher gehörte. Ich setzte mich mit meinem Kaffee zu ihm und sprach ihn an. „Sie wirken, als ob Sie diesen Ausblick schon ein paar Mal genossen hätten“, sagte ich. Er sah mich aus hellen, wachen Augen an und nickte langsam. „Ich bin hier geboren. Mein Vater auch. Und dessen Vater ebenfalls. Wir sind Teil dieses Felses.“ Als ich ihm erzählte, dass ich für meine „Legendenbox“ auf der Suche nach den wahren Geschichten der Region sei, legte er seine Mütze ab und blickte hinunter in die Tiefe des Cirque. „Die Leute im Besucherzentrum erzählen dir von Erosion und Wasserläufen“, begann er mit einer rauen, aber warmen Stimme. „Aber mein Vorfahre, der alte Jean-Pierre, der genau hier oben auf der Kante stand, als es geschah… der wusste es besser. Er hat gesehen, wie dieses Tal seine Form bekam. Setz dich, Fremder. Ich erzähle dir von der Nacht, in der die Sichel den Fels schnitt.“ „Du musst wissen“, begann er, und sein Blick wurde fern, „das Leben hier oben auf dem Causse de Blandas war früher ein ständiger Kampf. Der Boden war trocken, der Wind peitschte über die Hochebene, und unten im Tal gab es zwar Wasser, aber das Land war unwegsam und voller Felsbrocken. Mein Vorfahre Jean-Pierre war ein eigensinniger Mann. Er besaß ein Stück Land unten an der Vis, aber es war mühsam zu bewirtschaften. Die Wiesen waren wild, und der Fluss änderte nach jedem Unwetter seinen Lauf. Eines Abends, es war eine jener Nächte, in denen die Luft so elektrisch aufgeladen ist, dass einem die Haare zu Berge stehen, saß Jean-Pierre genau hier an der Klippe. Er war verzweifelt. Die Ernte war mager, und er wusste nicht, wie er den Winter überstehen sollte. In seiner Bitterkeit rief er in die Dunkelheit hinaus: ‚Ich würde meine Seele demjenigen geben, der mir dieses Tal bändigt und mir eine Wiese schafft, die groß genug für zehntausend Schafe ist!‘ Kaum war der letzte Laut verhallt, hörte er ein hinkendes Geräusch hinter sich. Ein Mann trat aus dem Schatten der Pinien. Er war elegant gekleidet, doch sein Lächeln war so scharf wie eine Rasierklinge. ‚Ein fairer Handel, Jean-Pierre‘, sagte der Fremde. ‚Ich schaffe dir ein Tal, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Eine perfekte Arena aus Gras, mit einem Fluss, der gehorsam im Kreis fließt, damit du jeden Winkel bewässern kannst. Und das alles in einer einzigen Nacht.‘ Jean-Pierre war ein Mann der Berge – er war misstrauisch. Er sah den hinkenden Fuß des Fremden und wusste sofort, wen er vor sich hatte. Doch er war auch ein Spieler. ‚Schön‘, sagte er. ‚Aber es gibt eine Bedingung. Du musst fertig sein, bevor der erste Hahn im Dorf Navacelles den Morgen verkündet. Wenn du versagst, gehört das Tal mir, und meine Seele bleibt mein.‘ Der Teufel lachte ein trockenes, hohles Lachen und zog etwas hinter seinem Rücken hervor. Es war eine Sense, Jean-Pierre schwörte es später beim heiligen Geist, deren Blatt so lang war wie die Schlucht tief ist. Sie glühte in einem unheimlichen, bläulichen Licht. Was dann geschah, überstieg alles Menschliche. Der Teufel sprang mit einem gewaltigen Satz hinunter in den Talgrund. Jean-Pierre lag hier oben auf dem Bauch, den Kopf über die Kante hängend, und starrte in die Finsternis. Er sah, wie die gewaltige Sichel durch die Luft schnitt. Jedes Mal, wenn das Blatt den Fels berührte, sprühten Funken, so hell wie Blitze. Der Lärm war ohrenbetäubend – ein Kreischen von Metall auf Stein, das durch die ganze Welt zu hallen schien. Der Teufel arbeitete mit einer rasenden Wut. Er schwang die Sichel in einem weiten Bogen um sich herum. Wo die Klinge einschlug, wich der Kalkstein zurück, als wäre er weiche Butter. Er schnitt das Plateau förmlich aus, tiefer und tiefer. Der Fluss Vis, der zuvor ziellos durch das Gestein gesickert war, stürzte sich gierig in die neue, kreisrunde Furche, die die Sense riss. Es war kein Mähen von Gras, es war ein Mähen von Bergen. Jean-Pierre sah, wie der zentrale Hügel, der ‚Rocher de la Vierge‘, in der Mitte stehen blieb, während der Teufel das Land um ihn herum wegsäbelte. Die Zeit rannte. Der Teufel war fast am Ziel. Er hatte fast den gesamten Kreis vollendet, nur ein schmales Stück Fels fehlte noch, um den Lauf der Vis perfekt zu schließen und das Meisterwerk zu vollenden. Der Schweiß floss dem Gehörnten in Strömen von der Stirn, und sein Atem roch nach brennendem Schwefel. Mein Vorfahre wusste: Wenn er jetzt nichts unternahm, würde er den nächsten Morgen

Das Blut des Riesen (Le Sang du Géant de l’Escandorgue)

Lac du Salagou

Das Blut des Riesen (Le Sang du Géant de l’Escandorgue) Der Lac du Salagou ist ein Ort, der keinen Mittelweg kennt. Entweder man verfällt seinem unwirklichen Zauber sofort, oder man fühlt sich in dieser purpurroten Stille seltsam unwillkommen. Als ich meine „Furgoneta“ auf einem der staubigen Parkplätze direkt am Ufer abstellte, war ich unsicher. Die Verbotsschilder für Camper leuchteten in der tiefstehenden Wintersonne fast so aggressiv wie die Erde selbst. Doch die Erfahrung lehrt: Im Winter, wenn die Touristenströme versiegt sind, drückt das Schicksal oft ein Auge zu. Am kiesigen Ufer, dort, wo das tiefblaue Wasser leise gegen die roten Felsen klatscht, sah ich einen Segler. Er wirkte, als gehöre er schon ewig hierher; seine Haut war gegerbt, sein Haar vom Wind zerzaust. Mühsam zog er sein kleines Boot auf den roten Strand. Ich trat näher und fragte ihn nach der Situation – ob man hier für eine Nacht geduldet würde. Er hielt inne, richtete sich langsam auf und sah mich aus Augen an, die so dunkel waren wie der vulkanische Basalt der umliegenden Gipfel. Ein schiefes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Übernachten?“, wiederholte er und deutete mit einer ausladenden Geste über den See. „Pass auf, Fremder. Dieser See hat Wächter, die älter sind als die Gesetze der Menschen. Sie haben einst einen Riesen besiegt, der mächtiger war als alles, was du dir vorstellen kannst. Wenn du nicht willst, dass dein Blut den Boden hier noch röter färbt, als er ohnehin schon ist, dann such dir lieber den Campingplatz da vorne. Zahl die Gebühr wie alle anderen – das ist ein kleiner Preis für deinen Frieden.“ Ich tat es als Seemannsgarn ab, doch die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme ließ mich frösteln. Ich wanderte erst einmal los, am Ufer entlang, wo der Wind in den kargen Sträuchern pfiff. Schließlich fand ich weiter hinten tatsächlich eine Lücke – einen kleinen, versteckten Platz, auf dem mein unauffälliger Bulli fast mit der Landschaft verschmolz. Doch als ich später am Abend, während die Sonne das Tal in ein blutiges Orange tauchte, wieder auf den Segler traf, lud er mich ein, auf einer alten Bank aus Treibholz Platz zu nehmen. „Du hast dein Versteck gefunden, was?“, brummte er. „Na schön. Aber da du nun hierbleibst, solltest du wissen, auf wessen Blut du eigentlich schläfst.“ Er zündete sich eine Pfeife an, der Rauch kräuselte sich in der kühlen Abendluft, und er begann zu erzählen. „Schau dir diese Farbe an“, begann er und stieß mit der Stiefelspitze in den rissigen, roten Boden. „Die Geologen nennen es Perm-Sediment, Eisenoxid. Aber für uns, die wir hier leben, ist das kein Gestein. Das ist das Erbe des Riesen vom Escandorgue. In den Zeiten, als die Welt noch aus Feuer und instabilem Gestein bestand, lebte hoch oben auf dem Plateau de l’Escandorgue ein Riese. Er war kein Wesen aus Fleisch und Bein, sondern ein Geschöpf der Tiefe – eine Kreatur aus kochendem Magma und schwarzem Basalt. Wenn er sich bewegte, bebten die Hügel des Languedoc, und wenn er zornig war, spuckten die Berge Feuer. Er war einsam, so einsam, wie es nur ein unsterblicher Berg sein kann. Eines Tages blickte er hinunter in dieses Tal. Damals gab es den See noch nicht, nur den Fluss Salagou, der sich durch eine grüne Oase schlängelte. Und dort, im Dorf Celles – das du da drüben am Hang als Ruine sehen kannst –, sah er ein Mädchen. Sie war wunderschön, mit Haut so hell wie der Kalkstein und Augen, die das Blau des Himmels eingefangen hatten. Der Riese, dessen Herz ein glühender Stein war, verliebte sich. Es war eine Liebe, die nicht sein durfte. Er versuchte, sanft zu sein, doch wenn er flüsterte, lösten sich Steinschläge. Wenn er weinte, verdampften die Bäche. Er kam den Hang hinunter, Schritt für Schritt, und jeder Tritt hinterließ einen Krater. Er wollte sie für sich gewinnen, wollte sie hinauf in seine schwarzen Paläste aus Basalt entführen. Doch das Mädchen hatte Angst. Wer würde nicht zittern, wenn ein wandelnder Berg vor der Haustür steht? Sie floh vor ihm, versteckte sich in den tiefen Höhlen und Wäldern des Tals. Die Menschen von Celles beteten zu den alten Göttern, zum Himmel selbst, um Schutz vor diesem Ungetüm, das ihre Ernte zertrat und ihre Quellen austrocknete. Der Riese wurde rasend vor Schmerz und unerwiderter Sehnsucht. Er glaubte, wenn er das gesamte Tal vernichten würde, gäbe es kein Versteck mehr für sie. Er begann, die Berge um uns herum – den Mont Liausson und den l’Escandorgue – mit seinen gewaltigen Fäusten zu zertrümmern. Er wollte das Tal mit seinem eigenen Körper ausfüllen, alles unter sich begraben, damit nichts mehr zwischen ihm und seinem Wunsch stand. Aber die Erde lässt sich nicht ungestraft Gewalt antun. Als der Riese seine Hand erhob, um den letzten entscheidenden Schlag gegen das Dorf Celles zu führen, antwortete der Himmel. Es heißt, ein Blitz von unvorstellbarer Gewalt, weißer und heißer als das Innere eines Vulkans, schlug herab. Er traf den Riesen genau in die Brust, dorthin, wo sein glühendes Herz schlug. Der Riese schrie auf – ein Laut, den man heute noch im Heulen des Windes hören kann. Er stürzte. Sein gewaltiger Körper schlug auf den Boden des Tals auf und zerbarst. Doch er verging nicht wie Asche. Da er ein Wesen des Feuers war, war sein Blut flüssiges Purpur. Es quoll aus seinen Wunden, heiß und unaufhaltsam. Es strömte über die Hügel, sickerte in jede Spalte, tränkte jedes Sandkorn. Dort, wo das Blut des Riesen floss, verbrannte das Grün. Die Erde färbte sich tiefrot, verbrannt von der Hitze seiner Leidenschaft und seines Zorns. Das Blut trocknete den Boden so sehr aus, dass er rissig wurde, als würde das Land selbst vor Durst schreien. Diese roten ‚Ruffes‘, auf denen wir hier stehen, sind nichts anderes als das geronnene Leben dieses gefallenen Giganten. Der Riese selbst wurde zu Stein. Die schwarzen Basaltkuppen, die du dort oben wie eine Krone auf den roten Hügeln siehst, das sind die Überreste seiner Rüstung, seine erstarrten Knochen. Er bewacht das Tal noch immer,

Die Legende vom Teufelsbogen (La Légende du Pont d’Arc)

Pont d'Arc)

Die Legende vom Teufelsbogen (La Légende du Pont d’Arc) Die Sonne brannte bereits mit einer unerbittlichen Intensität auf den hellen Kalkstein der Ardèche-Schluchten, als ich meinen Bulli auf den kleinen Wanderparkplatz unweit des gewaltigen Pont d’Arc steuerte. Ich starrte auf den rot-weißen Begrenzungsbalken, der die Einfahrt auf eine Höhe von 1,90 Meter beschränkte. Ein kurzes Zögern, ein tiefes Durchatmen, dann schob ich mich im Schritttempo voran. Das Metall des Daches schrammte fast unsichtbar unter dem Balken hindurch – es war eine Sache von Millimetern, aber ich war drin. Ein Mann, der gerade seine Wanderschuhe schnürte und seinen Rucksack schulterte, hatte das Manöver beobachtet. Er lachte trocken und kam herüber. „Mutig“, sagte er. „Ich reise auch mit dem Wohnmobil, aber meines ist eine Nummer größer. Ich musste zwei Kilometer weiter hinten parken und den ganzen Weg in der Hitze herlaufen.“ Als ich ihm erzählte, dass mein Bulli kein gewöhnlicher Transporter, sondern mein voll ausgebautes Zuhause sei, schüttelte er ungläubig den Kopf. Er musterte die kompakten Maße meiner „Furgoneta“. „Das soll alles drin sein? Küche, Bett, alles?“ Ich nickte stolz. „Es gibt eben manchmal Probleme, wenn man große Wünsche hat – so wie ein riesiges Wohnmobil“, entgegnete ich schmunzelnd. Er hielt inne, sein Blick wanderte hinunter zum Fluss, wo der gewaltige Steinbogen des Pont d’Arc wie ein versteinerter Titan über dem azurblauen Wasser thronte. „Große Wünsche“, wiederholte er leise. „Wissen Sie, genau das ist das Thema dieses Ortes. Die Gier nach dem Unmöglichen und der Preis, den man dafür zahlt. Hier am Arc gibt es eine Geschichte über einen Hirten, der einen noch viel größeren Wunsch hatte als einen Parkplatz direkt am Fluss. Er wollte eine Frau – und dafür verhandelte er mit dem Teufel.“ Er deutete auf einen flachen Felsen im Schatten einer Pinie, lud mich mit einer Geste ein, mich zu setzen, und begann zu erzählen. „Stell dir vor“, begann der Wanderer „dass dieses Tal vor vielen tausend Jahren ein völlig anderer Ort war. Die Ardèche war damals nicht dieser friedliche Fluss, in dem heute die Touristen ihre Kajaks paddeln. Sie war eine rasende Bestie, ein unberechenbares Ungeheuer, das sich tief in den Kalkstein fraß. Wer auf der einen Seite der Schlucht lebte, für den war die andere Seite so fern wie der Mond. In jener Zeit lebte hier ein junger Hirte. Er war arm an Hab und Gut, aber reich an Sehnsucht. Sein Name ist in den alten Liedern verloren gegangen, aber seine Not blieb unvergessen. Er hütete seine Ziegen auf den kargen Plateaus über dem Fluss, doch sein Herz war auf der gegenüberliegenden Seite gefangen. Dort, im Dorf Vallon, lebte ein Mädchen, dessen Lachen er manchmal bis hinauf zu seinen Weiden hören konnte, wenn der Wind günstig stand. Sie liebten sich, doch der Fluss war ihre Mauer. Es gab keine Brücke, keine Furt, die sicher genug gewesen wäre. In jenem schicksalhaften Winter regnete es Wochen am Stück. Die Ardèche schwoll an, wurde braun und gewaltig, riss Bäume und Felsbrocken mit sich. Der Hirte stand am Abgrund, starrte hinunter in die tobende Gischt und sah das Mädchen am anderen Ufer. Sie winkte ihm zu, weinte, doch ihre Stimmen wurden vom Brüllen des Wassers verschlungen. Die Verzweiflung fraß ihn auf. Er sank auf die Knie, die Hände in den feuchten Schlamm gekrallt, und schrie gegen den Donner des Flusses an: ‚Ich gäbe alles! Meine Seele, mein Leben, mein Jenseits – wenn ich nur diesen verfluchten Fluss trockenen Fußes überqueren könnte, um bei ihr zu sein!‘ Du weißt, wie das ist mit den Wünschen, die man in der Dunkelheit ausspricht. Manchmal hört jemand zu, den man lieber nicht gerufen hätte. Plötzlich war der Lärm des Wassers wie weggeblasen. Es herrschte eine Stille, die so schwer war, dass sie den Hirten fast erstickte. Hinter ihm räusperte sich jemand. Dort stand ein Mann, gekleidet in feinstes dunkles Tuch, das trotz des Regens völlig trocken war. Seine Augen leuchteten wie glühende Kohlen in der Dämmerung. ‚Ein hoher Preis für ein bisschen Liebe‘, sagte der Fremde mit einer Stimme, die wie das Brechen von trockenem Holz klang. ‚Aber ich bin heute großzügig. Ich baue dir eine Brücke. Nicht irgendeine Brücke. Sie wird aus dem lebendigen Fels der Ardeche bestehen, so gewaltig, dass kein Hochwasser sie jemals erschüttern kann. Ich vollende sie in einer einzigen Nacht, noch bevor der erste Sonnenstrahl den Gipfel des Dent de Rez berührt.‘ Der Hirte zitterte, doch sein Verlangen war größer als seine Angst. ‚Und was verlangst du dafür?‘, fragte er. Der Teufel grinste, und es war kein schöner Anblick. ‚Nur eine Kleinigkeit. Die erste Seele, die diese Brücke überquert, gehört mir. Für die Ewigkeit.‘ Der Hirte dachte an das Mädchen am anderen Ufer. Er dachte an die Einsamkeit in den Bergen. Er schlug ein. Der Pakt war besiegelt. Was dann geschah, muss furchterregend gewesen sein. Die ganze Nacht über bebte die Erde. Man sagt, der Teufel habe mit bloßen Händen in die Klippen gegriffen, riesige Quader aus dem Kalkstein gerissen und sie wie Spielzeug aufeinandergeschichtet. Das Kreischen von Stein auf Stein übertönte das Brüllen des Sturms. Funken sprühten bis in den Himmel, und der Geruch von Schwefel vermischte sich mit dem Dunst des Flusses. Der Hirte kauerte in einer Höhle, die Ohren zugehalten, das Herz ein rasender Trommelschlag in seiner Brust. Er begriff nun, was er getan hatte. Wenn die Brücke fertig wäre, müsste er hinübergehen, um zu ihr zu gelangen. Er wäre der Erste. Seine Seele wäre verloren. Doch der Hirte war kein Dummkopf. In der Stunde vor der Dämmerung, als das gewaltige Werk fast vollendet war, kroch er zu seinem Pferch. Er suchte sich einen alten, struppigen Hund aus, der ihm schon lange treu gedient hatte, oder in manchen Versionen der Geschichte war es eine Ziege – ein Tier jedenfalls, das er über alles liebte, aber dessen Seele er opfern musste, um seine eigene zu retten. Als das erste graue Licht des Morgens über die Schluchten kroch, war es still. Da stand er, der Pont d’Arc. Ein Wunder aus Stein, 54 Meter hoch, ein perfekter Bogen, der

Winterreise 25/26 (1)

Salto de Roldán

Augsburg 543. Tag im Wohnmobil. Alle Zeichen stehen auf Herbst. Eigentlich ganz nett anzusehen, aber „eigentlich“ ist eben ein Sche**wort! Nach dem Herbst wird Winter kommen und das sind nun mal 7 Monate Rheuma, Menschen die so wichtig sind, dass sie auch noch mit 40 Grad und triefender Nase in jede Besprechung kommen. Der Winter ist die Jahreszeit, in der du überlegst, ob deine Nachbarn noch am Leben sind, weil sich alle nur in ihre Bunker verkriechen und der Winter ist die Jahreszeit, die eigentlich für die Ruhe reserviert wäre, wenn da nicht… Eben „Eigentlich“ ist eben ein Sch**wort – zur Weihnachtszeit bürgerkriegsähnliche Zustände in den Innenstädten ausbrechen würden.  Ausbrechen! Genau das ist das Stichwort! Frei sein von Enge, Zwängen und der kalten Hand des Winters in Deutschland. Projekte, die man für den Sommer geplant hatte, müssen zum Abschluss kommen. Gedanklich trennt man sich von Menschen, die sich einfach nicht mehr gemeldet haben. Es scheint als wär es ein Phänomen der jetzigen Gesellschaft. Man beendet eine Beziehung zu jemandem, indem man die Person einfach zur Seite legt und nie mehr wieder hervorholt. Einfach, praktisch und effektiv. Mache ich mit meinen Steuerunterlagen des vergangenen Jahres auch so.  Die Reisevorbereitungen und Planungen verdichten und konkretisieren sich. Bald gehts wieder los! Geplant ist der 20.9.25. Die passende Bettwäsche ist aufgezogen, meine Mutter strickt mir noch Socken für die kalten Nächte im Bulli. Man glaubt nicht, wie wertvoll solche Socken sein können, wenn man nachts bei -5 Grad in den spanischen Bergen im Auto übernachtet. Nie die Bodenhaftung verlieren! Das ganze „faule Pack“ (ist satirisch gemeint) von Vanlifern, Influenzern und sonstigen „tollen“ Medienmachern sollte nie vergessen, dass sie ihr Leben nie so führen könnten, wenn da nicht andere hart arbeiten würden. Tagtäglich nützen wir die Infrastruktur und die Dienstleistungen der Orte, an denen wir gerade sind. Wir verlassen uns auf Busfahrer, Personal in Krankenhäusern, Geschäften, bei der Polizei oder Feuerwehr. Während des Vanlife verliert man schnell die Bodenhaftung zu den „normalen“ Dingen des Alltags. Auch aus diesem Grund habe ich in den Sommerferien einen meiner früheren Jobs wieder ausprobiert und bin 7 Wochen Stadtbus im Schichtdienst gefahren. Somit habe ich auch mitgeholfen, ein paar Menschen, die das ganze Jahr performen, den Urlaub zu ermöglichen. Die Gesellschaft schaut nur auf die Stars und Sternchen, die glänzend am Himmel schweben. Oft (nicht immer) Blutsauger und Schmarotzer der Allgemeinheit.  Bitte einmal am Tag eine Gedenkminute einlegen für die Menschen, die täglich irgendwo arbeiten und wichtige Zahnräder im großen Getriebe sind. Und man kann auch mal Danke sagen! Danke liebe Kassiererin, danke lieber Straßenkehrer, danke lieber Straßenarbeiter, danke lieber Busfahrer!  Die Winterfahrt 25/26 ging eigentlich schon eine Nacht vor der Abfahrt los. Unter großem Applaus und inmitten einer Mega-Party verabschiedeten wir einen der bekanntesten lokalen Kulturschaffenden Madhouse-Wolfi Honrath in den Ruhestand. In seinem frisch ausgebautem Postbus wird er ab jetzt die Camper-Szene bereichern und hoffentlich viele coole Touren, im neuen Ruhestandsleben, machen. Nach der Party und dem Ausschlafen gings für mich Richtung Süden. Diesmal über Luzern. Das Wetter hat mir einen Strich durch meine Planung gemacht. Der Schnee am Furkapass und am Rhonegletscher hat mich die Abkürzung nach Genf nehmen lassen. Sie so: „Wieso hast du denn so einen kleinen Camper?“ Ich:  572. Tag im Postauto: Anwandern in diesem Winter. Ja, etwas ungewöhnlich, dass man im Herbst mit Wandern beginnt, aber im Sommer komme ich nicht dazu. Letzten Winter in Spanien habe ich viele Wanderungen gemacht. Von Januar bis März über 30 Touren, im Sommer in Mitteleuropa habe ich fast gar keine gemacht. Die ersten Meter waren heute sehr hart. Meine Muskeln und mein Knie haben richtig randaliert und mussten erstmal überzeugt werden. Der Pont d’Arc an der Ardeche stand schon lange auf meiner Liste. Heute habe ich eine kleine Wanderung dort gemacht. Eine Tour für morgen habe ich schon herausgesucht. Mein Plan ist, mich langsam in Richtung der Pyrenäen zu bewegen.  Cirque de Navacelles: Die Anfahrt war schon sehenswert. Bei Gegenverkehr bleibt einer stehen und der andere schleicht dran vorbei. Wenn man 1. den Gegenverkehr sieht und wenn 2. der Gegenverkehr nicht der Gasflaschen-Lkw auf Liefertour ist. Der Kessel selber ist Welterbe und bietet viele schöne Wanderungen. Auf beiden Seiten des Kessels gibt es Aussichtspunkte, die man unbedingt besuchen sollte! Lac du Salagou: Dieser See ist farblich und landschaftlich spannend. Die charakteristische rote Erde, auch „Ruffe“ genannt, und die offene Landschaft ohne erkennbare Wege, verleiht der ganzen Umgebung etwas marsartiges.  Der Cirque de Mourèze ist ein auffallend schöner Geopark, den ich auch schon länger auf meiner Liste hatte. Eine schöne Wanderung mit fast 400 hm war genau richtig für mein Wandertraining.  Vor Carcasonne hatte ich ein wenig Bammel, weil ich Menschenmassen und Kampf um den Parkplatz nimmer ausstehen kann. Um so schlimmer war die Vorstellung, dass mich mein Weg an einem Sonntag da hin führen soll.  Die Lösung war aber ganz simpel. 10 Minuten nach Sonnenaufgang war am fast leeren Parkplatz, spazierte dann 2 Std. durch eine fast völlig ausgestorbene Altstadt und mit dem Eintrudeln von asiatischen Reisegruppen habe ich mich leise wieder aus dem Staub gemacht. In der Tasche viele Fotos der Stadt ohne, auch nur eine Person. Carcasonne Carcasonne Carcasonne Durch die Pyrenäen auf der Route de la Liberté erinnert an eine bedeutende Flüchtlingsroute. Menschen sind vor den Nazis in die Freiheit geflohen.  Zuerst vor den Spanischen, dann vor den Deutschen.  Eine Frage drängt sich auf: Wann laufen hier wieder Menschen und in welche Richtung?   Sehr gespannt war ich darauf, wie sich mein Spanisch lernen vom Sommer in der Praxis bewährt. Hab heute auch gleich richtig losgelegt und was soll ich sagen. Es war etwas chaotisch, aber es endete mit vielen wertvollen Informationen über Stellplätze, zwei neuen Freunden, einer Dose des besten Bieres der Erde und der Erkenntnis, dass ich jetzt befähigt bin, mein Leben hier in Spanisch zu bestreiten. SALUT!   Meine 4. Wanderung ging durch die Schlucht „congost de Mont-rebei“ Ein echter Knaller auf den ich mich seit Monaten gefreut habe. Ich bin nicht enttäuscht worden. Wenn man grade glaubt, dass man

Jakobsweg mit dem Wohnmobil Nordost

Jakobsweg

Jakobsweg mit dem Wohnmobil – Tipps, Sehenswürdigkeiten und Wohnmobilstellplätze Der Nordosten Ca. 400 KM Den Jakobsweg mit dem Wohnmobil? Diese Frage ist durchaus berechtigt. Aber was ist der Jakobsweg denn eigentlich? Wenn man ihn als persönliche sportliche Herausforderung sieht, dann ist es auf keinen Fall möglich, die Strecke mit dem Wohnmobil oder dem Camper zurückzulegen. Aber, wenn es um den Sport geht, warum tragen dann Marathonläufer keine Jakobsmuschel?  Auf die religiöse Deutung verzichte ich jetzt, diese Frage beantwortet eh jeder für sich selber. Ist der Weg aber nicht so zu deuten, dass man sich auf einen Weg macht, dabei zu sich und seinen Gedanken findet und möglichst nachhaltig verändert zurückkehrt? Klar sind die Menschen im Mittelalter nicht mit dem Wohnmobil unterwegs gewesen, aber eben auch nicht zu Fuß, mit Cellphone, Navi und Gepäckservice.  Und wer wäre jetzt, dem Sinn nach, ein *berechtigter* Pilger? Der, der in der Gruppe, laut schwatzend einen Wanderurlaub macht, oder der, der im Wohnmobil unterwegs ist? Es ist kein Vergleich und kein Wettstreit erlaubt! Jeder muss es für sich selber entscheiden! Ich jedenfalls lebe seit über 200 Tagen fast alleine im Post-Auto. Erkunde die Welt und jetzt für einige Wochen hier auch den Jakobsweg. Das Leben im Bulli ist anspruchsvoll, minimalistisch, nicht immer leicht, aber sehr spontan und kein Tag ist wie der andere. Ich bin definitiv auf einer Pilgerreise und das nicht erst seit ich hier in Spanien bin! Nach den Regeln der Jakobsgesellschaft ist zwar nur der ein echter Pilger, der zu Fuß, mit Rad (ohne Motor) oder Esel oder mit dem Segelschiff unterwegs ist, aber ich lasse mir meinen Jakobsweg mit dem Wohnmobil trotzdem nicht ausreden.  Da ich die nördliche Route, also immer am Atlantik fahren werde, beginne ich meinen Jakobsweg da, wo ich auf meiner Reise zum ersten Mal auf die Biskaya treffe. Nämlich südwestlich von Bordeaux an der wunderschönen Düne von Pilat. Das Ende soll da sein, wo man das Ende der Welt verortete, am Kap Finisterre. In diesem Beitrag starte ich im Nordosten bis Sandanter, den Nord-Westen der Jakobsweg-Region habe ich hier beschrieben.  Dune du Pilat Info:  Die Dune du Pilat – Europas größte Wanderdüne Die Dune du Pilat, gelegen am Eingang der Bucht von Arcachon in Frankreich, ist ein Naturwunder, das jedes Jahr Millionen von Besuchern anzieht. Diese gigantische Sanddüne ist nicht nur die größte in Europa, sondern auch eine der beweglichsten. Angetrieben von Wind und Gezeiten wandert sie jedes Jahr um mehrere Meter Richtung Osten und verschlingt dabei Stück für Stück den angrenzenden Wald. Mit einer Höhe von bis zu 110 Metern, einer Länge von rund 2,7 Kilometern und einem Volumen von etwa 60 Millionen Kubikmetern Sand ist die Dune du Pilat ein imposantes Naturphänomen. Von ihrem Gipfel eröffnet sich ein atemberaubender 360-Grad-Blick über die Bucht von Arcachon, den Leuchtturm von Cap Ferret und den umliegenden Wald. Die Entstehung der Düne reicht Tausende von Jahren zurück. Über Jahrtausende hinweg formte der Wind den feinen Sand zu dieser beeindruckenden Formation. Aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften und ihrer Bedeutung für das Ökosystem wurde die Dune du Pilat 1978 zum Naturschutzgebiet erklärt. Für mich als Landratte sind Dünen immer wieder faszinierend. Diese hier ist aber auch etwas besonderes, wenn man Dünen kennt. Sie ist ein wahrer Berg aus Sand. Wenn man bereit ist, einige Minuten zu laufen, dann verlieren sich auch die Menschen und man findet tatsächlich auch unberührten Sand und freie Blicke auf den Atlantik. Die Parkgebühr von 7 Euro für 4 Stunden sind ok, wenn man bedenkt, dass hier auch einiges an Infrastruktur und gute Parkplätze vorhanden sind.  https://de.wikipedia.org/wiki/Dune_du_Pilat Dune du Pilat Dune du Pilat Dune du Pilat (1) mehr Bilder… End of Content. Strandtipp 1: Biscarrosse Plage Biscarrosse Plage – Ein Paradies für Wassersportler und Naturliebhaber Biscarrosse Plage, gelegen an der französischen Atlantikküste, ist ein beliebtes Reiseziel für Urlauber, die Sonne, Strand und Wassersport lieben. Die langen, feinsandigen Strände bieten ideale Bedingungen zum Baden, Sonnenbaden und Surfen. Biscarrosse ist bekannt für seine hervorragenden Wellen, die sowohl Anfänger als auch Profis anziehen. Neben dem Wassersport hat Biscarrosse auch für Naturliebhaber einiges zu bieten. Die umliegenden Pinienwälder laden zu Spaziergängen und Fahrradtouren ein. Für diejenigen, die die Natur hautnah erleben möchten, gibt es zahlreiche Wanderwege. Da ich in der Nachsaison unterwegs bin wirkt der Ort etwas verschlafen. Aber ich suche ja nicht den Rummel, sondern die Einsamkeit. Dafür ist dieser unendliche Strand genau richtig. Und Parkplatzsorgen habe ich auch keine. Biscarrosse Plage Biscarrosse Plage Biscarrosse Plage Strandtipp 2: Mimizan Plage Mimizan Plage – Eine Perle an der Silberküste Alternativ kann man auch etwas weiter fahren. Auch hier wirkt im Oktober alles verschlafen. Aber es ist wirklich etwas Besonderes diese Weite ganz für sich alleine zu haben.  Mimizan Plage, ein kleiner Küstenort in den Landes, Frankreich, ist ein wahres Paradies für Strandliebhaber und Wassersportler. Mit seinen 10 Kilometern feinsandigem Strand, der sich zwischen dem Atlantik und dem Wald von Landes erstreckt, bietet er eine einzigartige Kulisse für einen entspannten Urlaub. Die Region ist besonders bei Surfern beliebt. Die Wellen an Spots wie La Garluche und Goëlands ziehen sowohl Anfänger als auch Profis an. Aber auch Familien finden hier ideale Bedingungen zum Baden, Sandburgen bauen oder einfach nur die Sonne genießen. Um Wohnmobilstellplätze muss man sich keine Sorgen machen. Wer sich nicht daneben benimmt, keine Stühle auspackt, wird genug Parkplätze für das Womo finden. An machen Orten kann man den Trubel des Sommers erahnen, wenn man Höhenbegrenzungen und Parkverbote stehen sieht.  Routentipp:  Von der Route entlang des Atlantiks hatte ich mir irgendwie mehr Meer versprochen. Sicher, die Strecke ist schön, es gibt einige schöne Rastplätze, immer wieder Möglichkeiten zum Strand zu fahren oder eine Wanderung in die Gegend zu unternehmen, aber man sieht von der Biskaya nichts und kommt nur sehr langsam voran und so wird es auf die Dauer ermüdend. Städtetipp: Biarriz  Biarritz, ein eleganter Badeort an der baskischen Küste Frankreichs, lockt mit seinem Charme und der beeindruckenden Natur. Die Stadt, die einst von der französischen Kaiserin Eugénie entdeckt wurde, hat ihren Glanz aus der Belle Époque bis heute bewahrt. Biarritz

Tour des 7 sources – II.Teil

Motorrad Transalp XL 650

Motorradtour des 7 sources – II.Teil Es ist heiß in Nancy und bevorzuge es mich der Architektur, rund um den Place Stanislas hinzugeben. Wie oft auf solchen Motorradtouren zieht es mich in Richtung schöner Landstraßen und eher weg von den großen Städten… …und genau solche Straßen gibt es in dieser Region genug.  Es geht wieder nach Osten und der nächsten Quelle entgegen.  Genau hier trifft die weiße auf die rote Saar. Die beiden Quellflüsse bilden somit die Saar und wir sind Fluss technisch an der Nordsee. Dieser Bach wird Grenzfluss werden und sogar ein ganzes Bundesland wird nach ihm benannt werden.  Und um alles richtig zu machen finde ich mich auch noch an er Quelle der roten Saar ein. Damit also Quelle Nummer 6 der Tour! Wald in den Vogesen In großen Schritten gehts wieder Richtung Osten und so schön langsam dem Ende der Tour entgegen. Und sehe mich in Obernai um.  Das ganze Jahr ist für mich dadurch geprägt, dass ich stark abnehmen wollte. Von April bis Oktober werden es insgesamt 27 kg, die meine Honda Transalp weniger schleppen muss. Und so sitze ich auch diesen Mittag mit krachendem Hunger, einer Tomate und zwei Blättern Salat da und staune, dass man von so wenig Nahrung überleben kann. Doch die Erlebnisse dieser Tour, die Sonne und die gefundene Freiheit lassen mich zum glücklichsten Menschen weit und breit werden und so genieße ich mein spärliches Essen, als wenn es ein königliches Festmahl wäre und bin rundum zufrieden.   Auf dem Aussichtspunkt über Obernai schaue ich zurück in die Vogesen, denke an die schönen Pässe und fahre noch einmal zurück, um auch noch das Kloster Sanctuaire du Mont Sainte Odile zu besuchen.  Nach einer weiteren ruhigen Nacht in meinem Lieblingsbauwagen im Schwarzwald komme ich, nach nur wenigen Stunden Fahrzeit, zurück von meiner 7 Tage – 7 Quellen – Tour.

Du hast noch Tipps für Wohnmobil, Camper, Vanlifer oder sehenswerte Orte in dieser Region? Oder vielleicht eigene Erlebnisse dazu? Dann schreib sie gerne hier in die Kommentare! 

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