Placencia 605. Tag im Wohnmobil.
In Placencia sind mir auch wieder „escaleras mecanicas“ aufgefallen. Rolltreppen, mit denen man innerorts größere Höhenunterschiede mühelos nehmen kann. Ich schreibe das Wort bewusst auf Spanisch, weil es sich in Orten, die an Bergen liegen, durchaus lohnt, das auch mal bei Google-Maps zu suchen. Zum Beispiel habe ich auch in Toledo oder bei Bilbao ganze Straßen mit „escaleras mecanicas“ gefunden. Der Aufstieg in eine Stadt, selbst mit Fahrrad, kann dann durchaus versüßt werden.
Cáceres – Von den Städten in der Extremadura hat mich Cáceres am meisten überrascht. Sie hat eine dichte Altstadt mit vielen netten Gassen und Winkeln, in denen man sich verlieren kann. Die Preise sind moderat, der Fremdenverkehr erdrückt nicht und man findet sich schnell zurecht.
Die Tragödie des Pedro und die Wohnmobil-Ritter von Feria
Im Jahre 1534, als die Welt noch flach war und die Straßen noch keine Navigationssysteme kannten, lebte in einem kleinen, unscheinbaren Dorf in der Extremadura ein Mann, dessen Schönheit die Olivenbäume zum Erblühen brachte: Pedro.
Pedro war so blendend gutaussehend, dass die örtliche Kirche eine Spendenaktion startete, um seine Wangenknochen zu konservieren. Zwei Damen verfielen ihm hoffnungslos: Catalina, die Bäckerin, bekannt für ihre Herzlichkeit, und Isabella, die Ziegenhirtin, berühmt für ihren cholerischen Charakter und ihre übernatürlichen Kenntnisse der Bergkräuter.
Pedro, der sich lieber von frisch gebackenem Brot als von Ziegenkäse ernährte, entschied sich für Catalina.
Isabella warf daraufhin einen Blick auf ihn, der kälter war als der Schnee der Sierra Nevada, und sprach einen Fluch aus, der bis heute in den bergigen Gassen widerhallt: „Du wirst niemals die Ruhe finden, Pedro! Du wirst dazu verdammt sein, in den Gassen der Pueblos Blancos zu spuken und dich an der Gier der modernen Reisenden zu rächen!“
Der Fluch im 21. Jahrhundert
Der arme Pedro fand seine ewige Ruhe nie. Er existiert seither als eine Art gespenstischer, extrem gutaussehender Tourismus-Dschinn in den weißen Dörfern Andalusiens und der Extremadura. Sein Ziel: die größtmögliche Verkehrsanarchie stiften.
Sein Fokus liegt dabei auf deutschen Wohnmobilfahrerinnen. Warum deutsche? Weil sie die besten, größten und am sorgfältigsten gewarteten Wohnmobile besitzen – Fahrzeuge, die garantiert in jeder spanischen Gasse stecken bleiben.
Nachts, wenn Frau Steffi aus dem Harz ihr 7,5 Meter langes Reisemobil der Marke Karmann parkt, erscheint Pedro ihr in einem Traum. Mit seinem verführerischen Extremadura-Grübchen flüstert er ihr auf perfektem, melodischem Nordrhein-Westfälisch ins Ohr: „Steffi, mein Schatz. Die wirkliche authentische Tapas-Bar liegt nur hundert Meter weiter, gleich hinter dieser malerischen, 80 Zentimeter breiten Gasse. Vertrau mir, die Aussicht ist es wert.“
Am nächsten Morgen folgt Steffi, angetrieben von einer irrationalen Mischung aus Romantik und der Sehnsucht nach authentischer Tortilla, dem Ruf des schönen Geistes. Sie ignoriert das „No Pasar“-Schild, das die örtliche Polizei prophylaktisch angebracht hat, und biegt mit ihrem Karmann T4 in die steilste Gasse ein. Dort, zwischen der Wand eines Friseurladens und dem Sims eines Balkons, sitzt sie fest. Wieder eine vermisste Seele in den engen Gassen!
Die Ankunft des Retters
Glücklicherweise wacht über die Pueblos Blancos ein wahrer Held. Ein Nachfahre der alten Adelsfamilie der Grafen von Feria aus der Extremadura: Der edle Ritter Alfonso von Feria, seines Zeichens Betreiber des örtlichen Abschleppdienstes „La Grúa del Homenaje“ („Der Kran des Bergfrieds“).
Sobald Alfonso den verzweifelten Anruf aus einer Funkloch-Gasse erhält, schwingt er sich auf seinen aufgemotzten, verchromten Abschleppwagen (Spitzname: El Conquistador) und eilt zur Rettung.
Alfonso ist ein Mann der Tradition. Er weiß: Der Fluch von Pedro kann nur besiegt werden, indem er die Wohnmobil-Damen mit der größten Ehre belohnt, die die Sierra de Aracena zu bieten hat. Wenn er Steffi und ihren Karmann T4 befreit hat, akzeptiert er als einzige Belohnung:
Drei Flaschen „San Miguel deste 1890“ (das edelste aller spanischen Biere).
Denn nur der reine, goldene Gerstensaft, der seit der Gründung im Jahr 1890 gebraut wird, hat die Kraft, die Pein der verfluchten Seele des Pedro zu lindern. Und so spukt Pedro weiter, Steffi trinkt ihren Tinto de Verano und Alfonso von Feria sorgt für den Verkehrsfluss – ein ewiger Zyklus der Romantik, des Wahnsinns und des extrem kalten Bieres in den spanischen Bergen.
SALUT!
Kinder wie die Zeit vergeht! Und keine Zeit gehabt die Webseite zu führen. (werde ich nachholen)
Der Winter war voller Ereignisse.
Derzeit bin ich wieder in Deutschland und friere!
Nos vemos!







































