Die Legende vom Raubritter von der Burg Haltenberg

Der Wind heulte um die Zinnen von Burg Haltenberg, als würde er die Seelen derer beklagen, die im Kerker unter dem Fels am Lech ihr Ende gefunden hatten. Hoch über dem Fluss, wo das Wasser in tiefen Strudeln gegen das Ufer peitschte, thronte der Ritter von Haltenberg. Er war kein Mann der Ehre, sondern ein Raubritter, dessen Herz so kalt war wie der Stein seiner Burg.

Sein Reichtum war Legende, doch er war auf Blut gebaut. Er plünderte die Handelszöller auf dem Lech und presste den Bauern das letzte Korn ab. Sein Hochmut kannte keine Grenzen. In der tiefsten Kammer der Burg, verborgen vor dem Licht des Tages, hütete er seinen kostbarsten Besitz: ein komplettes Kegelspiel, gegossen aus reinem, glänzendem Gold.

Eines Nachts, als ein gewaltiges Unwetter über das Lechtal hereinbrach und Blitze den Himmel zerrissen, lud der Ritter seine finstersten Gesellen zu einem gottlosen Spiel. „Wenn kein Mensch mich besiegen kann, dann soll der Teufel selbst antreten!“, rief er lachend gegen den Donner an. In diesem Moment, so erzählt man sich, erloschen alle Fackeln. Ein eisiger Hauch fuhr durch die Mauern, und die schweren, goldenen Kugeln begannen von Geisterhand zu rollen.

Ein schreckliches Grollen erschütterte den Berg. Es war kein Donner, sondern das Fundament der Burg selbst, das nachgab. Während die Mauern barsten und die Türme in den reißenden Lech stürzten, klammerte sich der Ritter wahnsinnig vor Gier an sein Gold. Er wollte seinen Schatz nicht lassen – und so riss ihn das schwere Metall mit sich in die Tiefe.

Die Burg wurde nie wieder aufgebaut. Doch wenn der Nebel im Herbst so dicht vom Fluss aufsteigt, dass man die Hand vor Augen nicht sieht, berichten Wanderer von seltsamen Geräuschen unter den Trümmern. Ein dumpfes Rollen und das Klirren von Metall hallt aus der Erde empor. Man sagt, der Raubritter sei dazu verdammt, bis zum jüngsten Tag in der Tiefe zu kegeln. Wer jedoch versucht, nach dem goldenen Schatz zu graben, den packt eine unsichtbare, kalte Hand und zerrt ihn hinab in den Nebel der Zeit.

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