Ein Urteil dass in die Geschichte einging
In den verwinkelten Gassen von Tréguier trug sich vor Jahrhunderten eine Geschichte zu, die bis heute als Inbegriff wahrer Gerechtigkeit gilt. Ein armer Bettler, der kaum einen Pfennig besaß, verweilte jeden Mittag vor der Küche eines wohlhabenden Gasthofs. Dort sog er die köstlichen Düfte von gebratenem Wild und frischem Brot tief ein, um seinen Hunger wenigstens in der Fantasie zu stillen.
Der gierige Wirt beobachtete dies mit Argwohn. In seinem Geiz behauptete er, der Bettler stehle den wertvollen Duft seiner Speisen, und zerrte den Unglücklichen vor den Richter – den heiligen Yves.
Yves, bekannt als „Anwalt der Armen“, hörte sich die absurde Klage ruhig an. Zur Überraschung aller verlangte er vom Bettler eine Goldmünze. Die Zuschauer hielten den Atem an: Würde der Heilige nun die Seite der Reichen wählen? Doch Yves nahm die Münze nicht an sich. Er ließ sie stattdessen mit einem hellen Klingen auf den harten Steintisch des Gerichts fallen.
„Hörst du das, Wirt?“, fragte Yves. Der Wirt nickte gierig. „Gut“, urteilte der Heilige gelassen. „Der Klang des Geldes bezahlt hiermit den Duft des Bratens.“
So wurde die Gier mit dem Nichts bezahlt, und der Bettler durfte in Frieden ziehen.
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