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Vom Spucknapf zum Wahrzeichen: Das wilde Drama um den Kopenhagener Drachenbrunnen

Wer auf seiner Reise durch Dänemark als Backpacker oder mit dem Camper auf dem Kopenhagener Rathausplatz (Rådhuspladsen) steht, kommt an ihm nicht vorbei: dem Drachenbrunnen (Dragespringvandet).

Heute staunen Passanten über die gewaltige Bronzegruppe in der Mitte, in der ein bulliger Stier und ein wütender Drache einen epischen Kampf auf Leben und Tod ausfechten. Doch die eigentliche Legende dieses Brunnens handelt nicht nur von mythischen Bestien, sondern von einer der amüsantesten Bau-Pannen in der dänischen Geschichte – einer Odyssee aus Geldnot, spöttischen Bürgern und einem Brunnen, der jahrzehntelang gar nicht spritzen wollte!

Kopenhagener Rathausplatz (Rådhuspladsen) Dänemark

Der gigantische Plan der Star-Architekten

Wir schreiben das späte 19. Jahrhundert. Kopenhagen baute ein neues, hochherrschaftliches Rathaus, und wie es sich für einen ordentlichen Prachtplatz gehört, musste ein gigantischer Brunnen her.

Die Star-Künstler Joakim Skovgaard und Thorvald Bindesbøll reichten 1889 einen Entwurf ein, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte: Eine riesige Bronze-Skulptur, auf der ein mächtiger nordischer Stier ein feuriges Drachenungeheuer niederringt, umgeben von kleinen Drachen, die Wasser aus ihren Mäulern speien. Symbolik pur! Ordnung gegen Chaos! Naturkraft gegen Dämonen!

Der Stadtrat war begeistert, die Verträge wurden unterzeichnet, und die Kopenhagener rieben sich schon vorfreudig die Hände. Was konnte da schon schiefgehen?

Schildbürgerstreich-Alarm: So ziemlich alles!

Kopenhagener Rathausplatz (Rådhuspladsen) Dänemark

Die Geburt des „Spucknapfs von Kopenhagen“

Als der Brunnen im Jahr 1904 feierlich eingeweiht wurde, trauten die Bürger ihren Augen nicht. Wo war der versprochene Stier? Wo war der gigantische Drache?

Nirgendwo! Den Stadtvätern war schlichtweg das Geld ausgegangen. Da die Bronze-Figuren unbezahlbar teuer waren, stellte man einfach nur das nackte, steinerne Brunnenbecken auf den Platz. In der Mitte klaffte ein gähnendes Loch, aus dem ab und zu ein klägliches Rinnsal Wasser tuckerte.

Die Kopenhagener – bekannt für ihren knallharten, staubtrockenen Humor – fackelten nicht lange. Anstatt das halbe Kunstwerk zu bewundern, gaben sie dem Bauwerk sofort einen neuen, unbarmherzigen Spitznamen: „Der Spucknapf“ (Spytbakken).

Ganze zwanzig Jahre lang war der Rathausbrunnen die Lachnummer der Hauptstadt. Lokale Zeitungen druckten Karikaturen, und wer sich in den Kneipen der Altstadt danebenbenahm, bekam zu hören: „Geh doch zum Rathausplatz und spuck in den Spucknapf!“

Kopenhagener Rathausplatz (Rådhuspladsen) Dänemark

Der Drache, der zum Umzug gezwungen wurde

Als wäre das Spott-Drama nicht peinlich genug gewesen, beschloss die Stadt 1908 plötzlich, dass der halbe Brunnen an seiner Stelle im Weg stand. Er behinderte den Straßenverkehr!

Also wurde der tonnenschwere „Spucknapf“ kurzerhand abmontiert und ein paar Meter weiter drüben wieder aufgebaut. Der Brunnen war nun nicht mehr nur unvollständig und verspottet, sondern wanderte auch noch wie ein orientierungsloser Wandervogel über den Platz.

Der arme Drache in den Entwurfsplänen schien verflucht zu sein. Die Bürger schüttelten nur noch den Kopf und fragten sich, ob der Stier jemals aus der Gießerei auftauchen würde.

1923: Das große Happy End (mit leichtem Muskelkater)

Erst im Jahr 1923 – sage und schreibe 34 Jahre nach den ersten Entwürfen! – hatte die Stadt Kopenhagen endlich genug Kronen zusammengekratzt. Die gigantische Bronzegruppe wurde gegossen, auf Lastwagen zum Rathausplatz gekarrt und feierlich in die Mitte des Beckens gehievt.

Plötzlich verstummte das Gelächter. Der Stier schnaubte Bronzedampf, der Drache krallte sich im Stein fest, und die kleinen Drachen am Rand spuckten endlich ordentliche Wasserfontänen!

Die Kopenhagener gaben zähneknirschend zu: „Na gut, schaut ja doch ganz passabel aus.“ Der „Spucknapf“ war über Nacht Geschichte, und der Drachenbrunnen stieg zum stolzen Wahrzeichen auf.

Kopenhagener Rathausplatz (Rådhuspladsen) Dänemark

Dein Fazit für die Kopenhagen-Reise

Wenn du auf deiner nächsten Reise durch Dänemark als Backpacker oder mit dem Camper am Kopenhagener Rathausplatz vorbeikommst, mach kurz Pause am Drachenbrunnen.

Schau dir die gewaltigen Muskeln des Stiers an, bewundere die Zähne des Drachen und denk daran: Gute Dinge brauchen manchmal eben 34 Jahre, ein paar Umzüge und eine Menge Spott, um zu einem echten Meisterwerk zu werden!

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