Stau auf der Schnecke: Die königliche Fahrschule im Runden Turm von Kopenhagen
Wer auf seiner Reise durch Dänemark als Backpacker oder mit dem Camper in Kopenhagen einfällt, steht vor einer imposanten Sehenswürdigkeit mitten in der Altstadt: dem Runden Turm (Rundetårn).
Das 36 Meter hohe Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert ist weltberühmt – allerdings nicht wegen gewöhnlicher Treppenstufen. Der Turm besitzt eine 209 Meter lange, stufenlose, gepflasterte Spiraltreppe (Reitwendel), die sich siebeneinhalb Mal wie eine gigantische Stein-Schnecke nach oben schraubt.
Hinter diesem baulichen Irrsinn verbirgt sich eine der amüsantesten Legenden der dänischen Geschichte – verknüpft mit den modernen Tücken des Kopenhagener Massentourismus!
Ein König ohne Lust auf Treppensteigen
Wir schreiben das Jahr 1637. König Christian IV. – der unangefochtene Lieblingsmonarch Dänemarks, was imposante Prachtbauten angeht – hatte ein Herz für Astronomie, Wissenschaft und vor allem für den eigenen Komfort. Er wollte ganz oben auf dem Turm ein Observatorium errichten.
Nun hatte Majestät aber ein klitzekleines Problem: Nach jahrzehntelangen, üppigen königlichen Festmahlen, Unmengen an Spanferkel und kistenweisem Importwein war der König nicht mehr der Allersportlichste. Die Vorstellung, täglich hunderte von harten Stein-Stufen nach oben zu keuchen, trieb dem König den Angstschweiß auf die Stirn.
Da überkam ihn eine grandiose Idee: „Warum Treppen bauen, wenn ich doch Pferde habe?“
König Christian befahl seinen Architekten, die Stufen einfach komplett wegzulassen und stattdessen eine breite, gepflasterte Rampe einzubauen. Der Plan war genial wie bequem: Der König wollte ganz einfach auf seinem Lieblingspferd direkt bis ganz nach oben ins Observatorium reiten!
Die sturste Kutschen-Fahrstunde der Geschichte
Als der Turm 1642 fertiggestellt wurde, reichte Christian IV. das einfache Reiten nicht mehr aus. Wenn schon Prunk, dann richtig!
Die bekannteste Sage rund um den Runden Turm besagt, dass der König eines Tages beschloss, seine Gemahlin mit einer Spritztour zu überraschen. Er ließ eine gewaltige, vierspännige Kutsche vorfahren. Während der Kutscher schockiert das Gebetbuch aufschlug, schnappte sich der König kurzerhand selbst die Zügel, peitschte die vier Rösser an und donnerte im Galopp die steile Steinspirale hinauf!
Man muss sich das Spektakel vorstellen: Hufe klapperten wie Maschinengewehre auf dem Pflaster, Funken sprühten von den Wänden, und die Königin krallte sich mit weiß gefärbten Knöcheln an den Samtkissen fest. Es war die wohl lauteste, verrückteste und gefährlichste Indoor-Kutschenfahrt der europäischen Geschichte.
Als sie oben auf der Aussichtsplattform ankamen, stiegen die Pferde dampfend aus und der König rief stolz: „Seht Ihr, meine Liebe? Wer braucht schon Treppen, wenn man Allradantrieb hat!“
Später soll sogar der russische Zar Peter der Große im Jahr 1716 die königliche Tradition aufgegriffen haben: Er ritt auf seinem Pferd hoch, während seine Frau Katharina ihm friedlich in einer zweispännigen Kutsche hinterherzuckelte.
Das moderne Stau-Chaos: Hufgeklapper trifft Touristen-Schlange
Spulen wir ein paar Jahrhunderte vor in die Gegenwart deiner Vanlife-Tour: Stell dir einmal vor, König Christian IV. würde heute mit seiner vierpsännigen Kutsche am Runden Turm vorfahren, um seinen geliebten Ausflug zu wiederholen!
Der arme König käme aus dem Staunen und Fluchen vermutlich nicht mehr heraus.
Die Kassen-Schlange: Schon vor dem Eingang würde Majestät die Kinnlade herunterklappen. Nix mit königlichem Vortritt! Heute muss man nämlich Eintritt bezahlen, um die Schnecke zu betreten. Der König müsste mit seinen vier Pferden brav in einer 50 Meter langen Schlange aus internationalen Reisenden stehen und darauf warten, bis der Ticket-Scanner seine Kronen-Münzen geschluckt hat.
Der Rushhour-Slalom: Hätte der König die Kasse passiert, ginge das Drama erst richtig los. Kein freies Feld für Galoppaden! Die Spirale ist vollgestopft mit Sommertouristen, Fotosuchenden und Schulklassen.
Rücksichtnahme auf der Wendel: Statt im Karacho die Schnecke hochzujagen, müsste der König im Schritttempo Slalom fahren. „Achtung, bitte links vorbeilassen!“, müsste der Monarch rufen, während vor ihm Selfiesticks geschwenkt werden und die Leute mitten auf der Rampe stehen bleiben, um die Akustik zu testen.
Ein einziges Überholmanöver mit einer vierspännigen Kutsche würde heute den kompletten Kopenhagener Tourismus-Verkehr zum Erliegen bringen!
Das Fazit für deine Reise
Wenn du heute bei deinem Kopenhagen-Trip ohne Pferd – sondern auf deinen eigenen zwei Beinen – die Reitwendel hochschlenderst, denk an den alten König Christian IV.
Zahl brav deinen Eintritt, genieße den historischen Anstieg ohne Stufen, nimm freundlich Rücksicht auf die Mit-Touristen und sei froh, dass dir auf halber Strecke kein verirrter Kutschenwagen entgegenkommt!







































