Der Zorn der Brücke im Müllerthal
Der Schiessentümpel im luxemburgischen Müllerthal sieht aus wie eine Elfen-Filmkulisse, war im Mittelalter aber Schauplatz einer herrlich feuchten Pleite. Ein notorisch gieriger Raubritter hatte den lokalen Bauern wieder einmal das letzte Gold abgeknöpft. Sein Pferd war so mit Beutesäcken überladen, dass es fast auf den Hufen robbte.
Am Wasserfall blockierte eine bettelnde Oma den Weg. Statt Mitleid gab es vom Ritter nur Spott: „Eher birst der Fels und stürzt diese morsche Holzbrücke ein, als dass du einen Pfennig siehst!“
Das Karma schlug sofort zu: Kaum betrat er die Brücke, rasselten zornige Naturgeister aus den Moosen. Das Pferd scheute, die morsche Konstruktion machte „Knacks“ und der gierige Sack stürzte mitsamt seinem geraubten Vermögen mitten in die Fluten des Schiessentümpels.
Er ertrank zwar nicht, aber sein Gold war futsch. Die Geister verwandelten die Münzen in Wassertropfen, weshalb der Wasserfall heute im Sonnenlicht so magisch funkelt. Die Luxemburger bauten 1879 extra die heutige, ultrarobuste Steinbrücke – laut Denkmalschutz angeblich nur, damit nie wieder ein fetter, geiziger Ritter durchbricht. Kinder rufen heute noch gerne unter die Brücke, um den nassen Geist nach Wechselgeld zu fragen!
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