Die Legende des Korsarenkapitäns und des entführten Engländers
Die Nacht über Saint-Malo war stürmisch, als Korsarenkapitän Robert Surcouf den gefangenen englischen Kommandanten in seine Kajüte bat. Kerzenlicht tanzte auf den schweren Eichenwänden, während draußen die Wellen des Atlantiks unbarmherzig gegen den Rumpf peitschten. Trotz der bitteren Niederlage saß der Brite steif am Tisch, das Kinn hochmütig erhoben, den Blick voller Verachtung für seine Entführer.
Als das üppige Abendessen serviert wurde, brach der Gefangene das Schweigen mit giftigen Worten. Er wollte den berühmten Piraten demütigen. „Ihr Franzosen seid ehrlose Halunken! Ihr kämpft doch nur um des schnöden Geldes und der fetten Beute willen!“, spottete der Offizier laut. „Wir Engländer hingegen kämpfen für die wahre Ehre und das Vaterland!“
In der Kajüte wurde es schlagartig totenstill. Das Klirren der Gläser verstummte. Surcoufs Männer liefen rot an vor Zorn und griffen instinktiv nach ihren scharfen Säbeln. Die Luft knisterte vor tödlicher Spannung.
Doch der legendäre Korsar blieb völlig gelassen. Er nahm einen langsamen Schluck aus seinem Glas, fixierte den Engländer mit einem eisigen, aber amüsierten Lächeln und konterte trocken: „Da haben Sie vollkommen recht, Monsieur. Jeder kämpft eben um das, was ihm am meisten fehlt!“
Der verbale Säbelhieb saß – der englische Stolz war tiefer versenkt als jedes Kriegsschiff.
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