Das Orakel am Gemüsestand: Wie mich der Platzregen von Comacchio das Geisterschiff von Spina lehrte

34 Das Orakel am Gemüsestand: Wie mich der Platzregen von Comacchio das Geisterschiff von Spina lehrte Eigentlich wollte ich Comacchio nur streifen, den Camper stur auf Kurs halten und weiterziehen. Doch dann blitzte aus dem Augenwinkel dieser eine Kanal auf: spiegelglattes Wasser, gesäumt von bunten Häuserzeilen und überspannt von einer imposanten, gemauerten Bogenbrücke. Ich warfe das Lenkrad herum, steuerte den nächstbesten Parkplatz an und schwang mich in den Sattel, um dieses kleine, beschaulichere Venedig der Emila-Romagna zu erkunden. Ich war kaum ein paar Hundert Meter am Ufer entlanggerollt, als der Himmel ohne jede Vorwarnung seine Schleusen öffnete. Es schüttete nicht nur – es kübelte. Auf der Suche nach Schutz hechtete ich unter das schützende Stoffdach eines kleinen, farbenfrohen Gemüsestandes am Kanalufer. Gegenüber von mir stand eine energische Italienerin mittleren Alters, die gerade gelassen ihre Tomaten kistenweise ins Trockene rückte. Ich wischte mir das Regenwasser aus dem Gesicht, sah sie etwas spöttisch an und meinte grinsend: „So, das ist also das berühmte italienische Wetter! Immer nur Sonne, blaue Himmel und heiße Tage, was? Und stattdessen gießt es wie aus Eimern!“ Die Frau hielt inne, sah mich an und brach in ein herzhaftes, tiefes Lachen aus. „Ach, mein Lieber!“, rief sie und winkte ab. „Regen ist gar nichts! Das Wetter hier in den Lagunen kann noch viel ungemütlicher, viel dunkler und viel unheimlicher werden. Wenn im Spätherbst la nebbia – unser berüchtigter Nebel – über das Po-Delta zieht, siehst du die eigene Hand vor den Augen nicht mehr. Da verliert sich selbst der erfahrene Fischer im Labyrinth der Kanäle. Aber weißt du was? Genau so einem Nebel verdanken wir unsere berühmteste Geschichte!“ Sie stützte beide Hände auf eine Kiste voller Apfelsinen, lehnte sich zu mir vor und begann mit funkelnden Augen zu erzählen: „Es ist viele Hundert Jahre her, da starb im 4. Jahrhundert unser heiliger Cassianus. Seine Getreuen luden seinen Leichnam auf ein einfaches Holzboot, um ihn über die Kanäle zu uns nach Comacchio zu bringen. Doch mitten auf den Gewässern zog eine Nebelwand auf, so dicht und schwarz, wie sie selbst die ältesten Männer der Lagune noch nie erlebt hatten. Die Ruderer verloren völlig die Orientierung. Sie trieben hilflos im Kreis, während das Moor und der Schlamm der alten, versunkenen Etruskerstadt Spina nach ihnen zu greifen schienen. Sie dachten, ihr letztes Stündlein hätte geschlagen. Doch plötzlich geschah das Wunder: Mitten aus der weißen Finsternis tauchte ein gewaltiges Schiff auf. Es brannte nicht, aber es glühte von innen heraus in einem überirdischen, goldenen Licht. Kein einziges Geräusch war zu hören – kein Knarren der Planken, kein Plätschern der Wellen. Und auf dem Deck stand kein einziger Seemann! Dieses flammende Geisterschiff von Spina schwebte lautlos wie ein Schutzengel vor dem kleinen Boot her. Sein helles Licht schnitt eine schimmernde Schneise durch den dichtesten Nebel und wies den Männern mit den Reliquien des Heiligen sicher den Weg bis direkt an die Ufer von Comacchio. Kaum hatten sie festgemacht, löste sich das leuchtende Schiff im Nichts auf.“ Die Gemüsefrau lächelte verschmitzt und klopfte auf die Kiste vor sich. „Wenn du also das nächste Mal hier im Nebel feststeckst, such nicht nach Schildern – halte Ausschau nach dem glühenden Licht!“ Genau in diesem Moment, als sie ihre Geschichte beendete, geschah das nächste kleine Wunder: Der Regenguss hörte schlagartig auf. Die Wolken rissen auf und die Sonne tauchte die Nassgespritzten Ziegel der Brücke in ein warmes, goldene Licht. Ich bedankte mich anständig für die wunderbare Geschichte, kaufte ihr als kleines Dankeschön ein Netz saftiger Orangen ab und schwang mich wieder auf mein Rad. So hatte der Platzregen doch noch sein Gutes – ein trockenes Plätzchen, frisches Vitamin C und eine fantastische neue Legende für mein Logbuch!
Auf Fototour am Comer See

101 Fototour zum Comer See Zauber der oberitalienischen Seen: Natur und Kultur vereintOberitalien lockt mit glitzernden Seen, eingebettet in eine traumhafte Bergkulisse. Die größten Seen – Maggiore, Garda und Como – bieten für jeden etwas: Naturliebhaber wandern in den grünen Hügeln, Wassersportler tummeln sich auf dem Wasser, und Kulturinteressierte bestaunen historische Städte und prächtige Villen. Entzückende Dörfer mit engen Gassen und regionalen Spezialitäten runden das Bild dieser reizvollen Urlaubsregion ab. Der Splügenpass ist Anfang Mai noch etwas abenteuerlich, aber genau das suche ich ja. Alleine die Abfahrt nach Italien hat über 50 180iger die teilweise sehr eng sind und durch die Schneeschmelze fährt man streckenweise wie in einem Bach. Ankunft nach 380 km im freundlichen Ort Gera Lario. Parkplatz zum Übernachten direkt am Hafen. Das wird meine 85. Nacht im Postbus. Free-Wlan ist für Wanderarbeiter ein Segen. So also Hafen-Office zum Webseiten erstellen. Grade recht, um anzukommen. War schon lange nimmer in bella Italia. Es fühlt sich ein wenig wie Spanien an, aber die Ruhe und Gelassenheit der Spanier fehlt hier und der Straßenverkehr ist so wie Deutschland 1970. Das in Spanien „ich träume beim Überqueren der Straße, die halten schon alle“ hätte hier andere Folgen! TIPP: Beeindruckende Naturkulisse: Eingebettet in die majestätischen Alpen, bietet der Comer See eine atemberaubende Naturkulisse. Kristallklares Wasser, üppige Vegetation und schneebedeckte Gipfel bilden eine malerische Kulisse, die Fotografenherzen höher schlagen lässt. Wandere auf einen der zahlreichen Aussichtspunkte, um atemberaubende Panoramen des Sees und der umliegenden Landschaft einzufangen. Eigentlich wollte ich nur in paar Kilometer in den Süden, entlang des Comer Sees fahren, aber es fanden sich keine vernünftigen, kostenfreien Parkplätze. Erst in Mandello del Lario bin ich in der Nähe des Hafens fündig geworden und hatte die Möglichkeit mir den Ort anzusehen. Aber so richtig Laune kam auch da nicht auf. Alle Orte und auch hier sind nicht so, wie ich mir das erhofft hatte. Wirkten auf mich nicht sehr einladend. Vielleicht sogar abweisend. Erst ganz an der Südspitze spürte ich dann endlich den italienischen Flair in Lecco. Hier, wo sich das Tal etwas weitet, ist wieder etwas mehr Platz… zumindest denkt man das. Am Abend bin ich in den Feierabendstau geraten. TIPP: Prunkvolle Villen und herrschaftliche Gärten: Der Comer See ist bekannt für seine prächtigen Villen, die einst von Adel und Prominenz bewohnt wurden. Besichtige diese architektonischen Meisterwerke und halte die beeindruckenden Fassaden, kunstvollen Skulpturen und üppigen Gärten auf deinen Fotos fest. Besuche Villa Carlotta mit ihrem botanischen Garten oder die Villa del Balbianello, die als Kulisse für James-Bond-Filme diente. Hier in Lecco bleibe ich die 87. Nacht im Postauto. TIPP: Magische Momente am Wasser: Der Comer See bietet unzählige Möglichkeiten für einzigartige Fotomotive am Wasser. Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge tauchen die Landschaft in ein magisches Licht, während Boote und Segelboote für zusätzliche Dynamik sorgen. Miete ein Kanu oder Kajak und erkunde den See vom Wasser aus. …wenn halt einer alle Zeit der Welt hat… Sein Frauchen nannte ihn „Porco“. Vermutlich bedeutet das so viel wie „kleiner, süßer Hund“ 😉 TIPP: Charmante Dörfer und historische Städte: Entlang des Ufers reihen sich pittoreske Dörfer mit engen Gassen, bunten Häusern und charmanten Restaurants. Lass dich von der mediterranen Atmosphäre verzaubern und halte die einzigartige Architektur und das quirlige Treiben auf deinen Fotos fest. Besuche die Altstadt von Como mit ihrem imposanten Dom und schlendere durch die engen Gassen von Bellagio, der „Perle des Comer Sees“. Auf der Halbinsel im Comer See, die vom Süden bis zur Spitze nach Bellagio führt, lernt man auch noch nach langen Jahren als Kraftfahrer neues dazu. Die Küstenstraße wird mit eingeklapptem linken Spiegel gefahren. Nicht grundlos! In Bellagio trifft sich alles, was schön sein will und Geld haben will. Die Krawatten und die Handtaschen sind edel, die Damen eitel und das Essen teuer. Die berühmte Ponte della Civera. Wer sie genau ansehen möchte, geht die 17 Stockwerke runter und wieder hoch, oder kommt am besten gleich mit dem Boot. In Como gibts einen der ältesten Aero-Clubs der Welt und hier kann man als Pilot auch zu seiner Wasserflugzeug-Ausbildung kommen. Kurz juckt es mich ja, aber andererseits komme ich ja nicht mal zu Hause zum Fliegen. Como ist eine nette Stadt. Hier kann man auch ein paar Tage bleiben. Man könnte auch an Venedig denken. Nein! Nicht der kleine Bruder von meinem Postauto! Allenfalls der Praktikant! Tja, hier bin ich mit dem Bus mit 50 angekommen. So schön bei Rot bin ich schon lange nimmer über eine Hauptstraße gedonnert. Der Hafen von Como lädt zum Verweilen ein und wird auch nicht langweilig. Man kann um die ganze Bucht laufen oder radeln. Wie es sich gehört, hat ein Haus auch einen Parkplatz davor. Und wenn das Häuschen etwas größer ist, dann darf auch der Parkplatz etwas größer ausfallen. . Datenschutz Impressum Datenschutz Impressum







































