Die Legende von Troyes
Staubwolken am Horizont. Panik. Untergang. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Gassen des antiken Troyes: Attila, die „Geißel Gottes“, marschierte mit seinem unbezwingbaren Reiterheer auf die Stadt zu. Wo seine Krieger vorbeikamen, blieb nur verbrannte Erde zurück. Die Stadtmauern von Troyes waren schwach, die Vorräte gering. Die Bewohner bereiteten sich auf ihr Ende vor.
Doch ein Mann weigerte sich, zu fliehen. Bischof Lupus, ein Mann von tiefer Spiritualität und Mut, legte sein Ornat an, nahm seinen Bischofsstab und ließ die Stadttore öffnen. Während die Hunnen bereits die Vororte plünderten, schritt er ihnen allein entgegen. Die Legende besagt, dass eine seltsame Stille eintrat, als Lupus vor das Pferd Attilas trat.
„Wer bist du?“, soll Attila herablassend gefragt haben. „Ich bin Lupus, der die Herde Gottes hütet“, antwortete der Bischof ohne Zittern. „Und ich bin Attila, die Geißel Gottes!“, donnerte der König. „Willkommen, Geißel Gottes“, entgegnete Lupus sanft, „aber wisse, dass du nur zerstören kannst, was Gott dir erlaubt.“
Von der Furchtlosigkeit des Bischofs beeindruckt, verschonte Attila die Stadt – unter der Bedingung, dass Lupus ihn als Geisel begleitete, bis sein Heer die Region verlassen hatte. Troyes blieb als einzige Stadt im weiten Umkreis unversehrt.
Folge mir für mehr spannende Legenden aus aller Welt! Die ganze Legende bei www.gruenundblau.de
Diese Rettungstat wurde zum Gründungsmythos der Kathedrale. Man sagte, dass Gott selbst seine Hand über den Ort hielt, an dem Lupus gebetet hatte. Als Jahrhunderte später die heutige gotische Kathedrale erbaut wurde, sahen die Menschen in den unvorstellbar hohen Gewölben und den leuchtenden Glasfenstern ein steinernes Abbild dieses Schutzes.
Noch heute wird in Troyes oft eine weitere, dunklere Legende erzählt: Die des „Graoully“ (ähnlich wie in Metz) oder der „Chair de la Bête“. Ein Drache, der in den Sümpfen der Seine lebte und die Wäscherinnen angriff. Er soll das Böse symbolisiert haben, das Lupus durch seinen Glauben vertrieben hatte. An manchen Wasserspeiern der Kathedrale glaubt man noch heute, die Fratze dieses besiegten Monsters zu erkennen.







































