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Europa findet den Frieden

Europa findet den Frieden

In der griechischen Mythologie war Prinzessin Europa nicht gerade zu beneiden: Göttervater Zeus verwandelte sich in einen weißen Stier, packte die Schönheit auf seinen Rücken und entführte sie über das Meer. Der Kontinent bekam zwar ihren Namen, doch die echte Europa blieb eine Gefangene. Jahrhundertelang wanderte ihre rastlose Seele über die Erde, genervt von Kriegen, Schlagbäumen und permanenten Passkontrollen.

Am 14. Juni 1985 hatte sie endgültig genug vom göttlichen Drama. Mitten auf der Mosel, an Bord der MS Princesse Marie-Astrid, unterschrieben die Politiker das Schengener Abkommen zur Abschaffung der Binnengrenzen. Als die Tinte auf dem Papier trocknete, gab es einen magischen Ruck im Dreiländereck: Die Prinzessin hatte ihren Sehnsuchtsort gefunden und beschloss, dauerhaft im Winzerdorf Schengen zu bleiben. Diesmal allerdings als Chefin der Freiheit.

Und was wurde aus dem göttlichen Entführer? Der Stier hatte in einer Welt ohne Grenzen schlichtweg ausgedient. Die humorvolle Note der Einheimischen besagt, dass Zeus vor Frust zu Stein erstarrte. Wer heute mit dem Camper an der Moselpromenade parkt, kann das ungleiche Duo als Skulptur bewundern: Europa thront stolz auf dem Stier, während das gehörnte Luxus-Nutztier ziemlich dumm und arbeitslos aus der Wäsche guckt.

Schengen beweist: Frieden ist möglich! Europa schenkt uns dauerhaften Frieden auf einem Kontinent, der über viele Jahrhunderte brannte. Wir sind die erste Generation seit dem es Menschen gibt, die keinen Krieg erleben mussten.

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