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Die Tyrannei der Samtpfoten: Mein Treffen mit der Katzen-Mafia von Agropoli

Am späten Nachmittag rollte mein Van in Agropoli ein. Über eine schier endlose, steile Treppe erklimmte ich die malerische Altstadt, die sich wie eine uneinnehmbare Festung um eine mittelalterliche Burg auf den Klippen schmiegt. Von hier oben bot sich ein atemberaubender Blick: Die Sonne stand bereits tief über dem Hafen und tauchte die Küste in ein magisches, goldenes Licht.

Für das ultimative Sonnenuntergangsfoto spürte ich eine freie Parkbank auf. Allerdings war diese bereits von einer ziemlich prallen Katze besetzt, die sich in aller Seelenruhe derart breitgemacht hatte, dass kaum noch ein Zentimeter für mich übrig blieb.

„Liebe Katze“, sprach ich das Tier höflich an, „meinst du, ich passe noch neben dich, um den Sonnenuntergang zu genießen?“

Agropoli Italien

Die Katze blinzelte mich träge an: „Glaube ich kaum. Du siehst doch, dass hier besetzt ist.“

„Ach komm, wir passen doch locker beide hier drauf!“, versuchte ich es weiter.

Die Katze legte die Ohren an und schnaubte mich argwöhnisch an: „Du hast doch wohl nicht vor, mich zu vertreiben oder gar zu misshandeln?!“

„Aber keineswegs! Ich wollte mich nur kurz setzen.“

Das Schuppentier – verzeiht, die Samtpfote – zuckte genervt mit der Schwanzspitze Richtung Gasse: „Kannst du nicht lesen? Geh da rüber und lies nach, wenn du nicht zu blöd dafür bist!“

Leicht irritiert darüber, dass mir neuerdings das Getier Süditaliens Befehle erteilte, trottete ich los. Und tatsächlich: Nach wenigen Metern stieß ich auf ein hochoffizielles Schild mit Amtssiegel. Katzenschutzgebiet. Das Vertreiben oder Misshandeln von Katzen ist nach Artikel 11 (2001) strengstens verboten.

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Als ich mich umblickte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Altstadt war eine einzige pelzige Wohlfühloase! Katzen lätzten sich auf Restaurantstühlen, lagen auf Tischen und dösten vor sich hin. Ein paar Meter weiter bediente sich eine freche Taube völlig ungeniert am Fressnapf zweier halbschlafender Samtpfoten.

Ich kehrte zur Bank zurück. „Aha! Daher weht also der Wind“, meinte ich schnippisch. „Man ist also städtisch geschützt und faul geworden! Da drüben klauen euch schon die Tauben das Fressen aus dem Napf und ihr rührt keinen Muskel.“

Die Katze öffnete ein Auge: „Warum vertreiben? Wir halten sie uns.“

„Ihr haltet sie euch?!“, entgegnete ich verblüfft.

Agropoli Italien

„Ja. Ihr Menschen haltet euch Hunde, wir halten uns Tauben. Wo ist dein Problem?“

„Na ja… wozu genau macht ihr das?“

Die Katze seufzte genervt: „Mann! Weil wir es können! Ganz einfach: weil wir es können. Und jetzt lass mich weiterschlafen, ich habe noch einen Traum zu Ende zu träumen.“

„Dann erzähle mir wenigstens noch eine schöne Legende oder Geschichte aus Agropoli!“, bat ich.

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Die Antwort kam ohne Zögern, gewürzt mit tiefer Verachtung: „Die Legenden dieser Stadt sind mir völlig scheißegal. Und jetzt schau, dass du Land gewinnst – sonst fühle ich mich spontan vertrieben oder misshandelt. Und glaub mir: Wenn ich hier laut aufschreie, kriegst du richtig Ärger mit den Behörden!“

Ich sah ein, dass ich gegen die Gesetzeslage und das lokale Maffia-Kätzchen auf verlorenem Posten stand. Ich knipste hastig mein Foto vom Sonnenuntergang und trabte ohne Legende, aber mit gehörigem Respekt vor Artikel 11, hinab zu meinem Camper.

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