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Wie aus Gestrüpp Wein wurde

Wie aus Gestrüpp Wein wurde

Im Jahr 1076 hatte Graf Hugo von Soissons ein Luxusproblem: Er wollte ein Kloster stiften, wusste aber absolut nicht, wohin mit dem Prachtbau. Nach tagelangem Dauerbeten erschien ihm Johannes der Täufer im Traum. Lässig einen goldenen Kelch schwenkend, deutete der Heilige auf einen völlig verwilderten Hügel am Stadtrand und sprach: „Dort, wo der süßeste Wein fließt, soll mein Haus stehen!“

Hugo ritt sofort los. Seine Berater erlitten fast einen kollektiven Nervenzusammenbruch, denn der Hügel war berüchtigt für seine sauren Wildtrauben, die beim Trinken das Gesicht schmerzhaft verzogen. Doch gegen eine göttliche Wein-Eingebung kam niemand an.

Kaum war der Grundstein der Abtei gelegt, geschah das weintechnische Weltwunder: Die ungenießbaren Knall-Trauben mutierten über Nacht zu einem aromatischen Traum. Der erste Kloster-Jahrgang schmeckte so himmlisch süß, dass sich selbst der König und die halbe Bischofskonferenz kistenweise den edlen Tropfen liefern ließen. Die Mönche juchzten vor Glück – Johannes hatte dafür gesorgt, dass im Dienst niemals die Kehle austrocknete.

So entstand der Name Saint-Jean-des-Vignes (Johannes von den Weinbergen). Die Mönche wurden zu echten Sommelier-Profis, und die Ruine erinnert bis heute daran, dass die besten Ideen eben manchmal beim Wein entstehen!


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