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Kiek in de Kök: Der mächtige Kanonenturm und sein strenger Blick in Tallinns Küchen

Wer auf seiner Reise durch Estland die historische Stadtmauer von Tallinn ansteuert, kommt an einem Giganten nicht vorbei. Für jeden Backpacker, der die kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt erkundet, und jeden Camper, der nach einer langen Fahrt im Wohnmobil den Domberg (Toompea) erklimmt, ist der mächtige Wehrturm Kiek in de Kök ein absolutes Highlight.

Mit seinen über 38 Metern Höhe und vier Meter dicken Mauern war dieser Turm im 15. und 16. Jahrhundert die modernste und stärkste Festungsanlage in ganz Nordeuropa. Doch so furchteinflößend seine Kanonen auf Feinde gewirkt haben mögen, so skurril und berühmt ist die Geschichte, die sich hinter seinem ungewöhnlichen Namen verbirgt – und die auf keiner Stadtführung fehlen darf.

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Der Soldat, der Bäcker und der Blick von oben

Der Name „Kiek in de Kök“ stammt aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet übersetzt so viel wie „Guck in die Küche“. Im Volksmund erzählte man sich jahrhundertelang eine herrlich romantische und zugleich indiskrete Sage: Aufgrund der enormen Höhe des Turms und der strategischen Lage direkt am Hang des Dombergs konnten die dort stationierten Soldaten angeblich durch die Schornsteine der tiefer gelegenen Bürgerhäuser direkt in die Kochtöpfe der Unterstadt schauen.

Die wohl bekannteste Anekdote handelt von einem jungen, einsamen Wachsoldaten, der auf den oberen Plattformen Dienst tat. Beim gelangweilten Blick in die Tiefe erspähte er durch ein Schornsteinloch die hübsche Tochter eines Bäckers, die in ihrer Küche gerade frische Pasteten zubereitete. Um ihre Aufmerksamkeit zu erregen, fing der Soldat an, kleine Kieselsteine durch den Schornstein hinabzuwerfen, bis sie mitten in der Suppe landeten. Die Liebesgeschichte flog auf, und der Turm hatte fortan seinen spöttischen Namen weg.

Dass die dicken Rauchwolken der mittelalterlichen Öfen einen echten Blick auf das Mittagessen wohl eher unmöglich machten, störte die Rigaer und Tallinner Geschichtenerzähler dabei natürlich herzlich wenig!

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Die wahre Geschichte: Ein Turm gegen die Flammen

So charmant die Sage vom verliebten Soldaten auch sein mag – wer die Augen bei einer Stadtführung offen hält und die historische Realität betrachtet, stößt auf einen weitaus ernsteren und pragmatischeren Hintergrund für diesen Namen.

Tallinn bestand im Mittelalter zu einem großen Teil aus Holzhäusern. Ein einziger Funke genügte, um die gesamte Hansestadt in Schutt und Asche zu legen. Aus diesem Grund hatte der Kiek in de Kök eine lebenswichtige Doppelfunktion: Er diente nicht nur der Verteidigung gegen feindliche Heere, sondern war gleichzeitig der wichtigste Feuerwehrturm der Stadt.

Ganz oben auf dem Turm hielten Brandwachen Tag und Nacht Ausschau nach gefährlicher Rauchentwicklung. Und genau in dieser ernsten Bedeutung des Wortes mussten die Wächter im wahrsten Sinne des Wortes „in die Küchen schauen“: Sie hatten die strikte Aufgabe, peinlich genau darauf zu achten, dass die Brandherde und offenen Feuer in den privaten Küchen der Bürger nach der Sperrstunde ordnungsgemäß gelöscht waren. Der Name war also kein voyeuristischer Scherz, sondern eine Überlebensgarantie für das gesamte mittelalterliche Tallinn.

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Ein unvergessliches Erlebnis für deine Tallinn-Reise

Heute beherbergt der Kiek in de Kök ein fantastisches Festungsmuseum, von dem aus du auch Zugang zu den geheimnisvollen unterirdischen Bastionsgängen hast. Wenn du als Individualreisender oder Kulturbegeisterter die Stufen des Turms erklimmst, kannst du aus den oberen Fenstern selbst den spektakulären Blick über die Dächer der Altstadt genießen – ganz ohne Rauchwolken, aber dafür mit jeder Menge Geschichte im Gepäck. Ein absolutes Must-See, das auf der Bucketlist für deine nächste Reise nach Estland ganz weit oben stehen sollte!

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