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Das leere Grab am Fluss: Wie Stockholms Stadtgründer den Umzug verweigerte

Wer auf seiner Reise durch Schweden als Backpacker oder mit dem Camper in der Hauptstadt unterwegs ist, landet unweigerlich vor der Kulisse des Stockholmer Rathauses (Stadshuset). Mit seinen leuchtend roten Backsteinen und dem gigantischen Turm direkt am Ufer des Mälaren-Sees ist es das Fotomotiv schlechthin für jedes Vanlife-Tagebuch.

Doch wer an der Südostseite des Rathausturms direkt am Wasser entlangschlendert, stößt auf ein vergoldetes Monument, das eine der schurrilsten Pannen der schwedischen Geschichte verbirgt: Das geheimnisvolle Scheingrab von Birger Jarl, dem legendären Gründer von Stockholm. Eine Schmunzel-Legende über sture Pfarrer, leere Kisten und einen Toten, der einfach nicht umziehen wollte!

Stockholm Stadhus Schweden

Wer war der Mann im Gold-Sarkophag?

Birger Jarl war im 13. Jahrhundert der unangefochtene Strippenzieher Schwedens. Er vereinte das Reich, gründete um 1252 die Stadt Stockholm und verstarb schließlich anno 1266. Seine letzte Ruhe fand er – wie es sich für einen hochkarätigen Adligen gehört – im Kloster Varnhem, tief im schwedischen Inland.

So weit, so unspektakulär. Bis im frühen 20. Jahrhundert der ehrgeizige Rathaus-Architekt Ragnar Östberg auf den Plan trat.

Birger Jarl Stockholm Stadhus

Der gigantische Umzugsplan des Architekten

Als Östberg in den 1910er-Jahren das Stockholmer Rathaus entwarf, wollte er nicht einfach nur ein Verwaltungsgebäude bauen. Er wollte ein Monument für die Ewigkeiten erschaffen! Und was passte besser zu einer echten skandinavischen Trutznacht als die echten Gebeine des Stadtgründers direkt im Fundament des Rathausturms?

Östberg entwickelte einen spektakulären Plan: Er wollte die Gebeine von Birger Jarl aus dem Kloster Varnhem exhumieren lassen, per Schiff nach Stockholm transportieren und feierlich in einem prunkvollen, vergoldeten Sarkophag am Fuße des Turms betten. Ein echter PR-Coup für die Stadtgeschichte!

Er gab das vergoldete Liegebild in Auftrag, ließ den massiven Steinsarg meißen und richtete am Ufer alles für die Ankunft des berühmten Toten her. Der Prunksarg war fertig, das Gold glänzte im Sonnenlicht – nur einer spielte da nicht mit: die Kirche!

Die Kirchen-Blockade: „Der Jarl bleibt, wo er ist!“

Als der Architekt hochoffiziell die Umbettung bei den Kirchenbehörden beantragte, schüttelten die Pfarrer in Varnhem nur energisch den Kopf. Sie dachten gar nicht daran, ihren prominentesten „Dauergast“ an die feinen Herren im fernen Stockholm abzutreten. Schließlich brachte der alte Jarl seit Jahrhunderten verlässlich Pilger und Einnahmen ins Kloster!

Es entbrannte ein humorvoller, jahrelanger Streit zwischen der Stadt Stockholm und der Landkirche. Östberg argumentierte mit Denkmalschutz und Patriotismus, die Pfarrer mit der Totenruhe. Das Ergebnis der Verhandlungen? Die Kirche blieb stur wie ein schwedischer Elch im Mühlsand.

Die Geburtsstunde einer modernen Volkssage

Da stand der arme Architekt nun: Das Rathaus sollte 1923 feierlich eingeweiht werden, das gigantische Golddenkmal war fertig montiert – aber die Kiste war schlichtweg kreisleer!

Da Abmontieren peinlich gewesen wäre, behielt man das Monument einfach. Um die peinliche Leere im Sarg zu vertuschen, entstand unter den Stockholmern rasch eine neue Legende: Man erzählte sich verschmitzt, dass Birger Jarls Geist nachts heimlich aus Varnhem anreist, um im leeren Sarkophag nach dem Rechten zu sehen und die Schiffe im Hafen zu zählen.

Birger Jarl Stockholm Stadhus

Das Fazit für dein Vanlife-Abenteuer

Wenn du das nächste Mal bei deiner Schweden-Reise den Camper oder dein Wohnmobil auf einem der Stellplätze rund um Stockholm parkst und als Backpacker zum Rathaus schlummerst, schau unbedingt beim Gold-Sarkophag vorbei.

Genieße die Aussicht auf das Wasser, klopfe leise an den hohlen Stein und schmunzele über die Geschichte des Stadtgründers, der dem ehrgeizigen Architekten eiskalt die kalte Schulter zeigte!

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