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Die Rache der kupfernen Katzen: Rigas skurrilster Nachbarschaftsstreit

Ich sitze in einem kleinen Café in der Altstadt von Riga, trinke einen lettischen Kaffee und blicke hinüber zu einem der berühmtesten Jugendstilgebäude der Stadt. Wer als Backpacker auf Rucksackreise durch die lettische Hauptstadt schlendert, sucht oft nach den großen Kirchen und Palästen. Doch die witzigste, historisch lückenlos belegte Sage der Stadt klebt hoch oben auf zwei gelben Dachspitzen. Es ist die Geschichte des Katzenhauses (Kaķu nams) – ein Denkmal aus purem Trotz, verletztem Stolz und einer ganz besonderen Art von Humor.

Der verletzte Stolz des lettischen Kaufmanns

Wir schreiben das Jahr 1909. Riga war eine blühende Hansestadt, doch die wirtschaftliche und politische Macht lag fest in den Händen der deutsch-baltischen Elite. Das Zentrum dieser Macht war die „Große Gilde“, eine exklusive Vereinigung reicher deutscher Kaufleute.

Ein wohlhabender lettischer Kaufmann namens Valdemārs Bāgners, der es durch geschickten Handel zu großem Reichtum gebracht hatte, wollte unbedingt Mitglied in diesem prestigeträchtigen Club werden. Doch die deutschen Ratsherren dachten gar nicht daran, einen Letten in ihre elitären Kreise aufzunehmen. Bāgner wurde eiskalt und hochmütig abgewiesen.

Gekränkt in seiner Ehre und stinkwütend beschloss der Kaufmann, den Herren der Gilde eine Lektion zu erteilen, die sie nie wieder vergessen sollten. Er kaufte das Grundstück direkt gegenüber dem Gildehaus und ließ dort von einem renommierten Architekten ein prächtiges, mehrstöckiges Wohnhaus im damals hochmodernen Jugendstil errichten.

Kaķu nams riga

Zwei Katzen zeigen Flagge

Das Gebäude war ein echter Hingucker, doch das eigentliche Meisterwerk war die Dekoration auf dem Dach. Bāgner ließ zwei mürrische, bucklige Katzen aus Kupfer anfertigen und sie auf den Turmspitzen des Hauses montieren.

Der Clou an der Sache: Die Katzen wurden mit hochgestreckten Schwänzen und erhobenen Hinterteilen exakt so positioniert, dass ihr Allerwertester direkt auf die Fenster des Gildehauses und das Arbeitszimmer des dortigen Ratsherren zeigte. Eine monumentalere, dreistere Beleidigung hatte das noble Riga bis dahin noch nicht gesehen. Jedes Mal, wenn die feinen deutschen Herren aus dem Fenster blickten, schauten sie zwei kupfernen Katzen direkt unter den Schwanz.

Es entbrannte ein skurriler, jahrelanger Rechtsstreit. Die Gilde tobte und versuchte gerichtlich zu erzwingen, dass die Katzen entfernt werden. Doch Bāgner konterte geschickt: Es gäbe schließlich kein Gesetz in Riga, das vorschreibe, in welche Himmelsrichtung eine Dachkatze zu schauen habe.

Kaķu nams riga

Ein historisches Happy End

Erst Jahre später, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, kam es zu einer Einigung. Als die Gilde schließlich einlenkte und Bāgners Mitgliedschaft akzeptierte, zeigte sich der Kaufmann versöhnlich. Er schickte Handwerker aufs Dach, die die beiden Katzen um 180 Grad drehten.

Heute blicken die Tiere friedlich nach unten auf die Gassen und die vorbeiziehenden Reisenden. Für uns Individualtouristen ist das Katzenhaus ein absolutes Highlight. Es beweist, dass man sich mit Kreativität und einer gesunden Portion Trotz selbst gegen die mächtigsten Eliten durchsetzen kann. Gute Reise und Gaidām ciemos auf deiner Entdeckungstour!

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