Der schwebende Bischof von Turku: Heiliger Schutzgeist oder jenseitiger Kontrollfreak?
Wer auf seiner Reise durch das skandinavische Baltikum mit dem Wohnmobil oder als Backpacker in der ältesten Stadt Finnlands Halt macht, landet unweigerlich vor dem majestätischen Dom zu Turku (Turun tuomiokirkko). Das gigantische Backsteinbauwerk gilt als das nationale Heiligtum des Landes. Doch hinter dem Altarraum und den ehrwürdigen Grabkapellen schlummert eine Sage, die unter Kulturinteressierten regelmäßig für Schmunzeln und Augenrollen sorgt: Die Legende von Bischof Hemming und seinem unheimlichen Schwebeflug aus dem Jenseits.
Wer war der gute Mann eigentlich zu Lebzeiten?
Bischof Hemming amtierte von 1338 bis 1366 im Dom zu Turku. Zu Lebzeiten war er ein ausgesprochen tüchtiger Kirchenfürst. Er baute den Dom aus, sammelte fleißig Spenden (oder erpresste sie seelenruhig mit dem Androhen des Fegefeuers) und galt beim Volk als extrem wohltätig. Kurz gesagt: Hemming war der unangefochtene Lokalmatador der finnischen Kirchengeschichte.
Nach seinem Tod wurde er im Dom beigesetzt und das Volk verehrte ihn wie einen Heiligen. So weit, so gewöhnlich für das Mittelalter. Doch hier fängt die bizarre Wendung an, die man bei einer klassischen Stadtführung gerne mal etwas zu romantisch verklärt.
Der Spuk im Bischofsgewand: Ein katholischer Kontrollzwang?
Laut der alten Sage hat der liebe Bischof Hemming nach seinem Ableben nämlich keineswegs gelernt, einfach mal die Füße hochzulegen und den Ruhestand im Himmel zu genießen. Im Gegenteil: Die Volkssage berichtet, dass Hemming immer dann aus seinem Grabstein emporsteigt und schwebend durch das Hauptschiff des Doms wandelt, wenn Finnland große Katastrophen, Kriege oder schlechte Zeiten drohen.
Hinter dieser frommen Geschichte muss man aber auch mal kritisch fragen: Ist das wirklich ein fürsorglicher Schutzgeist oder leidet der Mann schlicht an einem postmortalen Mikromanagement-Komplex?
Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Finnland steuert auf eine Krise zu, die Bürger haben ohnehin schon Panik, und was macht der tote Bischof? Anstatt im Jenseits mächtige Engel-Verstärkung zu organisieren, schwebt er mitten in der Nacht im Nachthemd-Look durch das dunkle Hauptschiff und betet stumm vor sich hin. Ein bisschen so, wie der Ex-Chef, der am Wochenende unaufgefordert im Büro vorbeischaut, um zu prüfen, ob die Mitarbeiter auch ja die Kaffeemaschine entkalkt haben!
Kritiker der Legende behaupten ja böswillig, Hemming schwebe gar nicht wegen drohender Kriege durch die Kirche, sondern weil er nachsehen will, ob die Kollektenkasse auch ordnungsgemäß gefüllt ist.
Das Fazit für deine Reise durch Finnland
Ob heiligmäßiger Schutzengel mit Fluglizenz oder jenseitiger Kontrollfreak – die Kultur rund um den Dom zu Turku lebt von diesen schurren Mythen.
Wenn du das nächste Mal auf deiner Reise durch die Region deinen Camper parkst, schlendere durch die kühlen Hallen des Doms. Wirf einen Blick auf die alten Grabmäler und lausche genau. Und falls dir nachts ein schwebender Bischof im Chormantel entgegenkommt: Bitte ihn einfach höflich, die Tür hinter sich zuzumachen – der Zugwind im Dom ist nämlich wirklich furchtbar!







































