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Die Flucht in den Zauberwald von Camaldoli

Die schmale, steile Bergstraße schraubte sich Kehre um Kehre durch die dichten Wälder empor zum Sacro Eremo di Camaldoli. Ich brauchte diese Flucht. Nach all dem Trubel der Städte, dem ständigen Stimmengewirr und den Touristenmassen sehnte sich mein Kopf nach der absoluten Stille einer Einsiedelei. Doch am Ziel angekommen, die Ernüchterung: Der Vorplatz war voller Ausflügler. Also schnürte ich die Wanderschuhe und floh direkt hinein in die Einsamkeit der Berge.

Sacro Eremo di Camaldoli.

Der Wald empfing mich mit kühler, feuchter Herbstluft. Ein Teppich aus nassen Blättern dämpfte jeden Schritt, während mich ein Schwarm gieriger Mücken unerbittlich vor sich hertrieb. Und doch verzauberte mich die Atmosphäre augenblicklich: Die steil aufragenden Tannen und uralten Buchen wirkten in ihrer moosbewachsenen, krummen Gestalt seltsam gespenstisch, als würden sie Geheimnisse hüten. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an den bizarren Silhouetten, die schemenhaft im feuchten Dunst standen.

Schließlich fand ich einen moosbedeckten Stein, abseits des Pfades. Ich setzte mich, um kurz durchzuatmen, und schlug meinen Computer auf, um die Geschichte dieses mystischen Ortes zu lesen.

Sacro Eremo di Camaldoli.

Im Jahr 1012 zog der heilige Romuald in diese wilden Wälder. Die Legende besagt, dass ein lokaler Graf namens Maldolo einen Traum hatte: Er sah Mönche in schneeweißen Gewändern, die auf einer blendenen Himmelsleiter direkt in den Himmel stiegen – und zwar genau auf der Lichtung seines Landes. Ergriffen von dieser Vision schenkte Graf Maldolo dem Einsiedler den Berg (Ca‘ Maldoli – das Haus des Maldolo). Romuald baute daraufhin fünf winzige, streng getrennte Zellen, in denen die Mönche in absolutem Schweigen lebten.

Ich blickte auf. Das Rascheln der Äste über mir klang plötzlich wie das Flüstern jener alten Eremiten, und der neblige Wald schien die Jahrhunderte im Handumdrehen zu verschlingen.

Und genau genommen lebe ich in meinem VW-Bus ja auch wie ein Eremit. 

Sacro Eremo di Camaldoli.

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