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Die Schafferordnung von 1640: Wenn der Club-Sicherheitsdienst im Schwarzhäupterhaus durchgreift

Man muss sich vorstellen: Der Prachtsaal des Schwarzhäupterhauses war im 17. Jahrhundert der angesagteste Party-Hotspot im gesamten Baltikum. Bier und Wein flossen in Strömen, und die jungen Händler schlugen regelmäßig über die Stränge. Um die exzessiven Gelage zumindest halbwegs in zivilisierte Bahnen zu lenken, verfassten die Ältermänner der Gilde ein hochoffizielles Regelwerk.

Diese Satzung liest sich heute wie die Hausordnung eines berüchtigten Technoclubs, inklusive drakonischer Geldstrafen für schlechtes Benehmen:

Schwarzhäupterhaus

1. Das teuerste Erbrechen der Stadtgeschichte

Die wohl berüchtigtste Regel der Schafferordnung widmete sich dem übermäßigen Alkoholkonsum. Wörtlich hieß es darin:

„Weil etliche grobe Gesellen sich nicht im Trinken zu mäßigen wissen, so soll der, welcher sich auf dem Hause oder der Treppe des Getrunkenen entledigt, 30 Mark Strafe geben.“

Wer also die eigene Trinkfestigkeit überschätzte und das edle Treppenhaus oder den Festsaal als Toilette missbrauchte, wurde mit einer saftigen Geldstrafe von 30 Mark belegt – im 17. Jahrhundert war das ein kleines Vermögen!

Schwarzhäupterhaus

2. Degenverbot an der Garderobe

Da betrunkene Junggesellen mit scharfen Waffen eine denkbar schlechte Kombination für die Inneneinrichtung waren, galt striktes Waffenverbot im Saal:

„Keiner soll mit dem Degen erscheinen, sondern ihn beim Eintritt dem Diener abgeben.“

Wer sich weigerte, seinen Degen an der mittelalterlichen Garderobe abzugeben, flog nicht nur hochkant aus dem Club, sondern musste ebenfalls blechen.

3. Benimmregeln für die Tanzfläche

Auch beim Tanzen ging es rau zu. Wer die Damen der Stadt unsittlich begrapschte, wild herumschrie oder andere Brüder beim Tanzen rempelte, wurde sofort vom „Schaffer“ (dem damaligen Rausschmeißer) verwarnt und zur Kasse gebeten.

Schwarzhäupterhaus

Warum die wilden Partys ein schnelles Ende hatten

Das Skurrile an der Bruderschaft war jedoch ihr eingebautes „Haltbarkeitsdatum“: Man durfte nur so lange Mitglied bei den Schwarzhäuptern sein, wie man unverheiratet und ohne Bürgerrecht in Riga war.

Sobald einer der jungen Wilden beschloss, sesshaft zu werden, eine Rigaer Patriziertochter zu heiraten und ein bürgerliches Leben anzufangen, flog er unweigerlich aus dem Party-Club. Er musste sich dann brav bei der „Großen Gilde“ anmelden – dem Club der gesetzten, älteren und stinklangweiligen Ehemänner.

Die Schwarzhäupter waren also im Grunde eine temporäre Lebensabschnittsgefährtenschaft für wohlhabende Party-Aussteiger, bevor das Spießertum sie unweigerlich einholte!

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